Übersicht
Der Palazzo dei Diamanti in Ferrara wurde ab 1493 nach einem Entwurf von Biagio Rossetti für Sigismondo d'Este, den Bruder des Herzogs Ercole I., erbaut. Zusammen mit drei anderen Palästen aus dem späten 15. Jahrhundert markiert er die Kreuzung zweier großer Straßenachsen, das Quadrivio degli Angeli, den Mittelpunkt des großen städtebaulichen Plans der Addizione Erculea, der nördlichen Verlängerung des historischen Zentrums. Das Gebäude ist ein Meilenstein der italienischen Renaissance und greift ein typisches Element der architektonischen Sprache auf, nämlich die Quadersteine, die die Fassaden zur Straße hin verkleiden, hier mit bemerkenswerter visueller Wirkung: etwa 8.500 Blöcke aus weißem und rosa Marmor, die „in Diamantenspitze“ bearbeitet sind, sind in versetzten Linien angeordnet und in verschiedenen Winkeln ausgerichtet, wodurch Hell-Dunkel-Effekte entstehen, die sich je nach Sonnenlicht ändern. Der Mittelpunkt des Gebäudes ist jedoch die Ecke, die dem Quadrivio zugewandt ist und mit fein verzierten Marmorplatten (Kandelabern) mit Flachreliefs verziert ist, die von einem ebenso eleganten Balkon unterbrochen werden. Aber der Palast ist in erster Linie das Epizentrum der Stadtkultur: Seit 1991 beherbergt er im Erdgeschoss den modernen Ausstellungsraum, der von der Stiftung Ferrara Arte verwaltet wird, die sich der Organisation internationaler Ausstellungen widmet, die sich auf antike und zeitgenössische Kunst konzentrieren. Das Hauptgeschoss beherbergt die Pinacoteca Nazionale di Ferrara, die zum weitläufigen Museum der Gallerie Estensi gehört. Die Sammlungen bieten einen Überblick über die Malerei Ferraras vom 13. bis zum 18. Jahrhundert, mit bedeutenden Exkursen in die italienische Kunst des 15. Jahrhunderts, vertreten durch Meister wie Gentile da Fabriano („Madonna mit Kind“, um 1405) und Jacopo und Giovanni Bellini („Anbetung der Könige“, um 1460).