Erleben Sie Bologna in zwei Tagen
7 Minuten
Bologna zu entdecken bedeutet, sich in einer Stadt mit einer jahrhundertealten Tradition wiederzufinden, in der noch Architektur aus verschiedenen Stilen und Epochen zu finden ist. Spuren des antiken Roms, mittelalterliche Paläste und Kirchen sind unbestrittene Zeugen für die Lebhaftigkeit des öffentlichen Lebens und der wirtschaftlichen Aktivität der Stadt. Eine Lebhaftigkeit, die unbeschadet die Zeit überdauert hat und eine absolute Besonderheit von Bologna bleibt. Am Fuße der berühmten Hügel, unterbrochen von den vielen mittelalterlichen Türmen und Toren, bietet das historische Stadtzentrum seinen Gästen eine wahrhaft herzliche Umarmung. Ein Beweis dafür sind die prächtigen Arkaden, die sich allein im Zentrum über mehr als 38 km erstrecken und zum Teil zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, oder die suggestive Piazza Maggiore, die gute Stube der Stadt unter freiem Himmel. Bologna bietet seinen Gästen außerdem zwei Welcome Cards, die wirklich vorteilhaft sind, um ganz einfach und bequem das Beste der Stadt zu entdecken.
Ankunft am Hauptbahnhof in Bologna um 9:00 Uhr: Unser Rundgang kann auf dem Bahnhofsvorplatz beginnen, wo wir nach links abbiegen und die Via dell'Indipendenza nehmen. Ein kurzer Spaziergang durch die Arkaden, die diese Straße säumen, und man entdeckt sofort ein einzigartiges und wenig bekanntes Merkmal der Stadt: die Reste des mittelalterlichen Kanalsystems, das einst ganz Bologna durchzog. An der Kreuzung der Via dell'Indipendenza mit der Via Augusto Righi biegen Sie nach links in Letztere ab. An dieser Stelle bietet das erste Sträßchen auf der rechten Seite, versteckt zwischen den Arkaden, die Via Piella, einen exklusiven Blick auf einen der Kanäle, die heute in das Stadtbild integriert sind. Um sie alle zu finden, können Sie die kostenlose App „Canali di Bologna“ herunterladen, in der alle Sehenswürdigkeiten geografisch verortet sind.
Über die Via dell'Indipendenza gelangen Sie wieder in die Innenstadt. Hier, auf der Piazza del Neptuno, befindet sich neben dem gleichnamigen Brunnen auch der Palazzo Re Enzo, der seit dem 12. Jahrhundert Schauplatz des Stadtgeschehens ist: Hinter seinen Toren erwartet Sie eine Reise durch neun Jahrhunderte der Geschichte. Sobald Sie dort angelangt sind, werden Sie feststellen, dass die Piazza del Nettuno in die Piazza Maggiore übergeht und gegenüber dem gleichnamigen Palast zur Piazza Re Enzo wird. Also praktisch eine Art Rondell mitten in der Altstadt.
Auf der Piazza Maggiore („Piazza Grande “ für die Bologneser) befindet sich die Basilika San Petronio, die Hauptkirche Bolognas, die trotz ihrer unvollendeten Ausführung eine der größten Kirchen Europas ist und den Titel Basilica Minore trägt. Mit einem umbauten Raum von etwa 258.000 m³ ist sie die größte in Backstein gebaute gotische Kirche der Welt. Die ebenfalls unvollendete Fassade ist in zwei horizontale Bereiche unterteilt: der untere mit den Marmorverzierungen, die zwischen dem Ende des 14. und dem Beginn des 16. Jahrhunderts ausgeführt wurden, und der obere mit einem facettierten Profil, das die Verankerung der dekorativen Verkleidung ermöglicht, die nie angebracht wurde.
Im Jahr 1530 wurde die Basilika San Petronio von Karl V. als Ort für seine Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches durch Clemens VII. ausgewählt. Im Inneren kann man den Kontrast zwischen dem gotischen Stil und dem zweifarbigen Farbschema genießen, das sich aus dem Wechsel zwischen dem Rot der gebrannten Ziegelsteine – die für die Säulen und die Gewölbe verwendet werden – und dem Weiß der Gewölbe ergibt.
Hinter der Basilika San Petronio befindet sich der Palazzo d'Archiginnasio, der erste historische Sitz der Alma Mater Studiorum, der ältesten Universität des Westens, heute Sitz der Stadtbibliothek des Archiginnasio, in der wichtige Texte aus den Bereichen Geschichte, Philosophie, Politik und Literatur sowie eine reiche Abteilung über die Kultur der Stadt Bologna aufbewahrt werden. Neben den mit den Wappen der Studenten bemalten Wänden weckt im alten Universitätskomplex noch immer der Anatomiesaal große Emotionen, in dem einst Anatomieunterricht mit Sektionen stattfand. Aber keine Sorge, Van Helsing wohnt hier nicht (mehr).
Wenn Sie die Via Rizzoli in Richtung Via Maggiore nehmen, kommen Sie am Torre degli Asinelli (Turm der Asinelli) und am Torre della Garisenda (der in Dantes Inferno erwähnt wird) vorbei – Letzterer ist das Wahrzeichen Bolognas schlechthin. Ursprünglich zu militärischen Zwecken errichtet, gab es im Mittelalter fast 200 Türme, aber nur 22 blieben bis heute erhalten, und die beiden eben erwähnten, die sich auf der Piazza di Porta Ravegnana befinden, sind unbedingt einen Besuch wert. Der Aufstieg auf den Torre degli Asinelli (der andere ist schief und nicht zugänglich) führt zu einer Panoramaterrasse, die einen einzigartigen Blick auf die Stadt bietet. Nachdem man über fast 500 Stufen auf- und abgestiegen ist, bietet sich ein Mittagsessen als Belohnung an.
Bologna, auch „La Dotta“ (die Gelehrte) aufgrund der antiken Universität genannt, hat aber auch noch den Beinamen „La Grassa“ (die Dicke) aufgrund der Vielfalt ihrer gastronomischen Angebote. Wahre Glanzstücke der italienischen Küche, die in der ganzen Welt beliebt sind, haben hier ihren Ursprung, mit edlen Rohstoffen und einer Handwerkskunst, die nie verloren ging und der wir noch heute Cappelletti, Passatelli und Lasagne verdanken. Es ist kein Zufall, dass Bologna – um nur ein Beispiel zu nennen – eine nach ihr benannte Fleischsauce hat, die in der ganzen Welt geschätzt wird: die Hackfleischsauce Ragù alla bolognese. Im Stadtzentrum ist das gastronomische Angebot breit gefächert und vermag unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen zu erfüllen.
An der Strada Maggiore steht ein außergewöhnliches Bauwerk, das die gotische Architektur symbolisiert: die Basilika Santa Maria dei Servi, deren Bau im Jahr 1393 begann und die zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde. In ihrem Inneren befinden sich viele bekannte Kunstwerke, darunter die prächtige thronende Madonna von Cimabue. Der etwa 52 Meter hohe Glockenturm ist Teil des Gesamtkomplexes und weist architektonische Neuerungen auf, die auch im viereckigen Portikus vor der Kirche zu finden sind. Die kostbare Pfeifenorgel, die im Inneren aufbewahrt wird, und das prächtige Bild des „Padre Eterno“ von Guercino, das eine der Seitenkapellen schmückt, werden Sie in Staunen versetzen.
Entlang der alten Straßen und endlosen Arkaden von Bologna gelangt man von der Piazza Aldrovandi geradeaus über die Via Giuseppe Petroni und in die Via Zamboni vor dem Stadttheater „Teatro Comunale“ von Bologna, wo das Spiel der Volumen, von Licht und Schatten der Arkaden immer reicher wird. Auf der linken Seite befindet sich der Palazzo Poggi, Sitz der Universität und einiger Universitätsmuseen, wo Sie einen interessanten Nachmittag verbringen können. Ebenfalls in der Nähe befindet sich die Nationale Pinakothek, in der Werke von Tintoretto, Tizian und Parmigianino ausgestellt sind.
Das Abendessen in Bologna verdient, dass man sich Zeit nimmt, um sich von den klassischen Angeboten der emilianischen Küche verführen zu lassen, die neben Tagliatelle, Siedfleisch und Tortellini mit ausgezeichneten DOC-Weinen aus den Bologneser Hügeln, wie dem sehr geschätzten Pignoletto, aufwarten kann. Nach dem Abendessen in der Innenstadt zu verweilen und einen Drink in einem der vielen, abends geöffneten Lokale zu genießen, gibt Ihnen wirklich das Gefühl, zu Hause zu sein. Zum Schlafen geht es aber … zurück ins Hotel. Sie müssen noch Energie, um den zweiten Tag zu bewältigen, der gleich außerhalb der Stadt mit einem Besuch der Wallfahrtskirche San Luca beginnt.
Die Wallfahrtskirche San Luca ist nicht nur ein beruhigendes Wahrzeichen von Bologna, sondern auch ein Ort der religiösen Anbetung. Von der Porta Saragozza im Stadtzentrum aus führt ein vier Kilometer langer Weg in Richtung Colle della Guardia unter einem Säulengang, der mit seinen über 600 Bögen der längste der Welt ist. Zusammen mit anderen bedeutenden Abschnitten der Arkaden in der Stadt ist dies tatsächlich ein UNESCO-Weltkulturerbe.
Wenn Sie an der Wallfahrtskirche ankommen (die auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, falls Sie den Weg nicht zu Fuß zurücklegen wollen oder können), bietet sich Ihnen ein herrlicher Ausblick auf die Landschaft auf einer Höhe von etwa 300 Metern über dem Meeresspiegel. Ein einzigartiger Blick auf Bologna, von den Hügeln bis zum Stadtzentrum und nach Casalecchio di Reno. Am Ende des Ausflugs geht es zurück in die Stadt (wieder über die Arkaden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem kleinen Zug von San Luca). Die Richtung, die man an dieser Stelle einschlagen sollte, ist die zum MAMbo (Museo di Arte Moderna di Bologna), dem Museum für moderne Kunst in Bologna, dessen Besuch immer wieder neue Entdeckungsmöglichkeiten bietet.
Und nach so viel Kunst ist es Zeit für eine andere … die Kunst des Essens. In Bologna gibt es einen ganzen Park, der ausschließlich dem guten Essen gewidmet ist und den man nach dem letzten Ausflug des Tages im Zentrum erreichen kann, vielleicht sogar auf dem Fuß- und Radweg. Vom Pilastro-Bereich aus folgen Sie der Beschilderung F.I.C.O. Eataly World und Sie kommen zum ersten „Jahrmarkt“ der Speisen von A bis Z.
Dies bedeutet wörtlich, dass Sie hier die Henne (oder die Ente) kennenlernen werden, der man die Eier verdankt, aus denen der Teig zubereitet wird. Das ist aber noch nicht alles: Sie können sich in einem der vielen Landwirtschafts- oder Kochkurse versuchen und beispielsweise selbst den Teig kneten. Sie werden einen Weinberg, einen Olivenhain und einen Obstgarten besichtigen. Sie müssen nur den endlosen Versuchungen widerstehen und vielleicht die richtigen Einkäufe tätigen, bevor Ihre Zeit in Bologna zu Ende geht. Dann können Sie zusammen mit der Erinnerung an eine wunderbare Stadt etwas wirklich Einzigartiges mit nach Hause nehmen, das Sie genießen und mit anderen teilen können.