Übersicht
Was die Römer Terme Selinuntine nannten, ist das heutige charakteristische Dorf Sciacca. Es scheint geradezu ins Meer einzutauchen und hat eine Altstadt, die teilweise von Mauern umgeben ist, sowie zahlreiche Sackgassen und Innenhöfe im arabischen Stil.
Der heutige Name – aus dem Arabischen as-saqah, „das Wasser“ –, der altgriechische Name der Thermai Selinuntinai („Thermalbäder von Selinunte“) und die römischen Namen Thermae Selinuntinae oder Aquae Labodes („Wasserlippen“) offenbaren zweifellos und unverkennbar die ursprüngliche Bestimmung der Stadt. Sie wurde im 5. bis 6. Jahrhundert v. Chr. als Thermalbad gegründet, das vom mächtigen und benachbarten Selinunte abhängig war. Dessen Schicksal teilte sie, einschließlich ihrer Zerstörung im Jahr 409 v. Chr. von den Karthagern. Bereits in der Römerzeit, ab dem 2. Jahrhundert v. Chr., wurde hier die heilsame Nutzung der schwefelhaltigen Wasserquellen des Berges Kronio gefördert, die Landwirtschaft florierte und die Stadt entwickelte sich rasch. Die Araber ummauerten die Siedlung und bauten sie nach den zum Teil noch heute erkennbaren Mustern ihrer Siedlungskultur aus. Die Normannen erweiterten die Stadtmauern und machten Platz für die Ansiedlung von Griechen, Arabern und Franken. In der Neuzeit, im 15. und 16. Jahrhundert n. Chr., wurde der prächtige Bau der Adelspaläste, wie z. B. der Palazzo Steripinto, auf das Fundament der mittelalterlichen Zivilarchitektur aufgesetzt. Karl V. von Habsburg ließ zusätzlich den befestigten Mauerring errichten. Im 17. Jahrhundert wurden die Kirchen und Klöster im heute so geschätzten Barockstil grundlegend restauriert. In den 1950er-Jahren verlieh der Bau des Grand Hotel delle Terme und der Thermalbäder des Monte Kronio dem Ort Sciacca eine völlig neue touristische Bedeutung. Wenn Sie durch die Straßen des Zentrums schlendern, merken Sie sofort, dass die Keramikherstellung für Sciacca eher eine Leidenschaft als ein Handwerk ist: bunte Vasen, Wandpaneele und mit Majoliken verzierte Treppen verleihen der Stadt einen festlichen Renaissance-Stil. Der Karneval von Sciacca, mit seiner Parade allegorischer Wagen, ist einer der ältesten und stimmungsvollsten Veranstaltungen auf Sizilien. Der Besuch des Karnevalsmuseums am westlichen Stadtrand, in der Via Fratelli Bellanca, ist fast schon ein Muss. Um die zahlreichen Natur- und Kultursehenswürdigkeiten dieses reizvollen Ortes zu entdecken, folgen Sie den ursprünglichen drei Ortsteilen. Sie liegen auf mehreren Felsplateaus, die zum Meer hin abfallen. Der mittig liegende Ortsteil, zwischen der Piazza Scandaliato und der Hauptstraße Corso Vittorio Emanuele und Via Licata wird von eleganten religiösen und öffentlichen Gebäuden dominiert. Im höher liegenden, größten Ortsteil Terravecchia befindet sich ein Gewirr von Gassen und engen, oft stufenförmigen Straßen mit arabischem Einfluss, die im Norden von einer Bastion eingefasst sind, von der noch große Teile erhalten sind, sowie das Castello Luna aus dem 14. Jahrhundert. Der untere Ortsteil liegt tiefer als das bebaute Viertel und fällt steil zum Pier hin ab, es ist das Viertel der Seeleute und Töpfer. Auf dem Felsvorsprung im Osten liegt das Grand Hotel delle Terme an einer von Palmen gesäumten Promenade. Vor hier aus haben Sie einen herrlichen Blick auf das kristallklare Meer.
92019 Sciacca AG, Italia