Nationalpark Cilento, Vallo di Diano e Alburni
Er erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 181.000 Hektar und sein höchster Gipfel erreicht 1900 Meter Höhe. 80 Gemeinden gehören zu ihm, und er hat zwei Plaketten erhalten: die des Nationalparks von 1991 und die des UNESCO-Welterbes von 1998. Es handelt sich um den Nationalpark Cilento, Vallo di Diano e Alburni, der ein weites Gebiet zwischen der Sele-Ebene im Norden, dem Vallo di Diano im Osten und dem Golf von Policastro im Süden umfasst. Dichte Wälder, blühende Wiesen und spektakuläre Berge, Flüsse und Wasserfälle prägen ihn: Man merkt schnell, wie stark die Natur hier ist.
Vom Berg Cervati, dem höchsten und schroffsten, geht es weiter zu den Flusstälern mit ihren Karstphänomenen: Höhlen und Dolinen. Dann gibt es die Küste mit ihren Sandstränden, Klippen und Landzungen: eine landschaftliche Vielfalt, die einer Flora von mehr als 1.800 einheimischen Wildpflanzenarten entspricht (unter denen die Palinuro-Schlüsselblume, das Logo des Parks, hervorsticht), den typischen Sträuchern der höheren Lagen und der mediterranen Macchia, die sich zum Meer hin erstreckt. Auch die Tierwelt ist von großem Wert: Im Park kann man Steinadler, Füchse und Wölfe antreffen. Der Nationalpark Cilento ist ein Paradies für Kletterer, Wanderer, Entdecker, Biologen und angehende Kletterer, für alle, die schon immer eine innige Liebe zur Natur hatten und für alle, die auf der Suche nach dieser Liebe sind.
Es gibt viele Routen, einfache oder schwierige. Zum Beispiel die Oase der WWF-Höhlen von Bussento, die von Morigerati aus (einem kleinen mittelalterlichen Dorf, das vom italienischen Touring Club mit der Orangenen Flagge, einem Gütesiegel für Tourismus und Umwelt, ausgezeichnet wurde) auf einem schönen Saumpfad verläuft, der mal gepflastert, mal in den Fels gehauen ist und nach einer Reihe von Haarnadelkurven bergab zum Eingang der Höhle von Bussento führt. Oder derjenige, der zum Berg Gelbison führt, dem heiligen Berg, auf dem die Basilianermönche das Heiligtum der Madonna vom Heiligen Berg von Novi Velia gründeten. Auch der Aufstieg zu den Alburni-Bergen und die landschaftlich reizvolle Wanderung zur Grotte di Pertosa-Auletta, die etwa drei Kilometer tief in den Bauch der Erde führt, sind lohnenswert.
Acciaroli und Pioppi
Es scheint, dass Hemingway in Acciaroli die Inspiration für sein Buch „Der alte Mann und das Meer“ gefunden hat. In der Tat ist dieses kleine und antike Fischerdorf mit der Kirche Santa Maria und dem normannischen Turm, die sich vom Lido abheben und sich mit ihren Spiegelbildern auf das Meer erstrecken, ganz bezaubernd. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass laut einer Studie der University of California dieses kleine Dorf die Geheimnisse der Langlebigkeit in sich birgt, denn hier und in der Umgebung gibt es unter den insgesamt etwa tausend Seelen über hundert Menschen, die auf einhundert Lebensjahre zurückblicken können. Auch das gibt es im Cilento: 30 Hundertjährige pro 100.000 Einwohner, mehr als doppelt so viel wie anderswo. Der „Trick“ liegt im Lebensstil: die mediterrane Ernährung und die Gewohnheit, lange Spaziergänge zu machen, die gemeinsam mit der gesunden Luft des Ortes und der unberührten Natur zu einem Elixier des langen Lebens werden.
Ein paar Kilometer weiter südlich liegt Pioppi, das mit seinem Kiesstrand und einer Handvoll Geschäfte und Restaurants ein wahres Schmuckstück ist, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Der große natürliche Hafen beherbergt das Virtuelle Museum der mediterranen Ernährung, eine Hommage an Ancel Keys. Der amerikanische Forscher lebte vierzig Jahre lang hier, führte Studien zur menschlichen Ernährung durch und übernahm vorbehaltlos den Cilento-„Lifestyle“. Man kann also sagen, dass die mediterrane Ernährung, die im Jahr 2010 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, aus Pioppi stammt.
Palinuro und andere Wunder
Das Meer des Cilento ist sauber und meistens von intensivem Blau. An der Küste reihen sich herrliche Strände und einsame Buchten aneinander, geschützt durch üppige Pinienwälder und Felsen, die geheimnisvolle Höhlen verbergen. Aber im Bereich des Vorgebirges von Capo Palinuro trifft man auf das schönste Meer. Palinuro liegt in einer malerischen, durch das Kap geschützten Bucht und ist der wichtigste Badeort des gesamten Cilento, der sich dennoch die Atmosphäre eines Fischerdorfes bewahrt hat. Die wahre Attraktion des Ortes sind aber die Strände und die in die Kalksteinfelsen gegrabenen Höhlen. Der Strand von Buondormire ist außergewöhnlich: eine kleine und wilde Bucht aus goldenem Sand, eingebettet zwischen steilen Wänden, smaragdgrünem Wasser und gegenüber dem Kaninchenfelsen (Scoglio del Coniglio). Dann sind da noch die beiden Strände, die durch den natürlichen Bogen, den Arco Naturale getrennt sind: Er ist nahezu vollkommen in den Felsen gehauen, so etwas wie ein Wahrzeichen für Palinuro. Ganz oben auf der Rangliste der Höhlen steht hingegen die Blaue Grotte: Ihre fast blendende Farbe ist auf einen etwa 20 m tiefen Siphon zurückzuführen, in dem das Licht ausstrahlt. Etwas weiter südlich jedoch, hinter Marina di Camerota, offenbart sich die wahre Perle des Cilento. Es ist die Costa degli Infreschi: Dabei handelt es sich um eine Reihe von Höhlen, Buchten und Stränden, die nur mit dem Boot oder über anspruchsvolle Pfade erreichbar sind und deren Meeresboden von Korallen, Neptungras und zahlreichen Fisch- und Krustentierarten bevölkert ist. Die Cala Bianca, Baia degli Infreschi, Vallone del Marcellino, den Sciabica-Strand und die Zwillingsstrände (Spiagge Gemelle) darf man sich wirklich nicht entgehen lassen. Zum Schutz dieses Küstenabschnitts und der mehr als 2.000 Hektar kostbaren Meeres, die vor ihm liegen, wurde das Meeresschutzgebiet Costa degli Infreschi und Masseta gegründet.