Bagnara Calabra und Scilla, die Dörfer des Schwertfischs
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Der Schwertfischfang in Kalabrien ist eine alte Tradition und ein anstrengendes Handwerk, das noch heute in den legendären Gewässern der Straße von Messina ausgeübt wird.
Welche Orte in Kalabrien sind für ihren Schwertfisch bekannt? Bagnara Calabra und Scilla, zwei Perlen der berühmten Costa Viola in der Provinz Reggio Calabria.
Tauchen wir ein in das untere Tyrrhenische Meer, um alle Geheimnisse des Schwertfischs von Bagnara und Scilla zu entdecken – zwei Spitzenprodukte der regionalen Gastronomie.
Der Schwertfischfang in Kalabrien
Der seit der Antike belegte Schwertfischfang in Kalabrien ist eine alte Seefahrertradition, die mit dem Kampf zwischen „dem alten Mann und dem Marlin“ aus Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ vergleichbar ist. Die ersten Zeugnisse hierfür stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr., als Historiker wie Polybios diese Technik detailliert beschrieben. In der griechischen Mythologie werden die tapferen Speerkämpfer des Achilles, die sich nach seinem Tod ins Meer stürzten, von der Göttin Thetis in mit Speeren bewaffnete Fische verwandelt.
Wie erfolgt der Schwertfischfang in Kalabrien? Diese renommierte Fischart kommt vor allem in der Straße von Messina vor. Der Kanal galt in der Antike als die gefährlichste Meerenge und ist auch heute noch Gegenstand von Spekulationen und Auseinandersetzungen hinsichtlich seiner Überquerung. Die kalabrischen Schwertfischfänger sind jedoch Experten, denen keine Gefahr zu groß ist. Mit ihren typischen Booten durchqueren sie das Meer, um täglich diesen schmackhaften Fisch aus dem Süden auf den Tisch zu bringen.
Der Fischfang (Spatare) erfolgt an Bord schneller Boote: dem Luntru (schnell und wendig für den Tagesfang), der Palamita (mit langen Netzen für den Nachtfang ausgestattet) und der klassischen Felucca. Der Schwertfischfang in Kalabrien ist nach wie vor ein blutiges Spektakel, erzählt jedoch auch von der untrennbaren Beziehung zwischen Mensch und Natur in Regionen, die vom Fischfang leben und diesen zu einem Identitätsmerkmal gemacht haben. Eines der bekanntesten Symbole der Gemeinde Bagnara Calabra ist beispielsweise eine Frau aus dem Volk, die traditionelle Bagnaròta. Sie balanciert auf dem Kopf einen Korb, aus dem der scharfe Schwertfisch herausragt.
Einige interessante Fakten? Der Schwertfischfang in Kalabrien ist ein echtes heiliges Ritual, das mit bestimmten Gesten, Gegenständen und Aberglauben verbunden ist. So darf trotz des Einsatzes neuer technologischer Hilfsmittel beispielsweise die traditionelle blaue (oder rote) Holzkugel nicht fehlen, die auf einer Stange am Bug angebracht ist. Auf ihr sind – in Anlehnung an die alte phönizische Kultur – die Sterne des Großen Wagens mit einem weißen Band dazwischen gemalt. Die bis heute geheimnisvollste Tradition ist die der sogenannten „cardàta da’ crùci“, bei der ein Kreuzzeichen auf die rechte Wange des Schwertfisches geritzt wird. Leider ist der Brauch der Fischersänge auf Griechisch verloren gegangen. Wo und wie kann man in Kalabrien Schwertfisch essen? In den malerischen Fischerdörfern Scilla und Bagnara.
Wo man in Kalabrien Schwertfisch essen kann
Der Schwertfisch aus Bagnara, der kleinen „Hauptstadt des kalabrischen Schwertfischs“, gehört zu den renommiertesten. Die an der Costa Viola gelegene Stadt zeichnet sich durch das Vorkommen einer Meeresalge aus, die der gesamten Küste ihre Farbe verleiht. Bagnara Calabra ist auch als Geburtsort der „Bertè-Schwestern“ der italienischen Musik bekannt (Loredana und Mia Martini; letzterer ist in der Stadt ein Denkmal gewidmet). Unter den kulinarischen Spitzenprodukten Kalabriens zeichnet sich dieser wunderschöne Ort am Meer auch durch die Herstellung des hochwertigen Torrone di Bagnara IGP und der Weine Costa Viola IGT aus. Die kulinarische Kombination aus Torrone und Schwertfisch ist eine der genussvollsten Entdeckungen der zeitgenössischen kalabrischen Küche.
Nach einer Mahlzeit mit diesen Köstlichkeiten empfiehlt sich ein Spaziergang entlang der schönen Strandpromenade mit Blick auf die Straße von Messina. Anschließend kann man die höher gelegene Altstadt entdecken. Zu den ältesten Überresten Bagnaras vor dem verheerenden Erdbeben von 1908 gehört der aus dem 15. Jahrhundert stammende Torre Aragonese (auch Torre di Capo Rocchi genannt). In der Altstadt können die Chiesa del Carmine, die auf einem Platz mit Panoramablick liegt, und das etwas weiter bergauf gelegene Castello Ducale Ruffo besucht werden. Der Sentiero Marturano beginnt am Gipfel des gleichnamigen Hügels. Auf diesem Wanderweg geht es durch die grüne Landschaft zurück zum Meer.
Wenn Sie noch nicht genug von Köstlichkeiten und Schönheit haben, setzen Sie Ihren Ausflug nach Scilla fort – der Ort ist ein weiterer wichtiger Bezugspunkt für kalabrischen Schwertfisch. Hier wird er auf tausend verschiedene Arten zubereitet: von den klassischen Schwertfischröllchen über die sehr südländische Schwertfisch-Parmigiana bis hin zu den traditionellen Grillgerichten und frischen Nudeln in Kombination mit Auberginen, Kapern und Kirschtomaten. Dazu passt ein ausgezeichnetes Glas Scilla IGT. Für alle, die einen schnellen Imbiss bevorzugen, gibt es das typische lokale Streetfood – das Sandwich mit Schwertfisch.
Die Schwertfisch-Restaurants in Scilla reihen sich auf traditionellen Pfahlbauten am Wasser im malerischen Fischerdorf Chianalea aneinander. Aufgrund des Meeres, das sich zwischen den Gebäuden hindurchschlängelt, und der Boote, die buchstäblich unter den Häusern „geparkt“ sind, ist Chianalea auch als das „kleine Venedig des Südens“ bekannt. Wenn man in die Altstadt mit ihrer Panoramalage hinaufsteigt, lohnt sich ein Besuch des imposanten Castello Ruffo: Es thront auf einem Felsen und zählt zu den am besten erhaltenen Festungen Kalabriens. Wir unternehmen einen Spaziergang, um die Kirchen und vor allem den Meerblick von der Piazza San Rocco zu bewundern, in deren Mitte die Statue der Scilla (auch „Sirenetta“, also „kleine Meerjungfra“ genannt) steht – ein wahres künstlerisches Symbol. Zum Abschluss ist ein Bad in der Marina Grande die beste Art, sich von den Wundern der Straße von Messina zu verabschieden.