Fünfzehnte Etappe des Giro d'Italia 2023: von Seregno nach Bergamo
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Wir sind in der Lombardei angekommen, wo die fünfzehnte Etappe des Giro d'Italia 2023 stattfindet. Die Athleten starten in Seregno, einer kleinen Gemeinde, die als Kreuzungspunkt zwischen Mailand, dem Comer See und der Schweiz liegt. Aufgrund dieser Lage ist sie in der Geschichte zu einem strategischen Ort geworden, insbesondere in der Römerzeit. Die Altstadt ist reich an historischen Palästen, Brunnen und Denkmälern, doch der Turm, der die Stadt überragt, zieht die größte Aufmerksamkeit auf sich. Es handelt sich um einen Glockenturm aus der Welfenzeit, ein seltenes Bauwerk in der Architektur der Zeit, der dem römischen Kaiser Friedrich Barbarossa gehört haben könnte, weshalb er Torre del Barbarossa (Barbarossa-Turm) genannt wird, auch wenn es keinen Nachweis für diese Verbindung gibt, sondern nur eine chronologische Übereinstimmung.
Der Turm befindet sich im historischen Zentrum auf der Piazza Vittorio Veneto, die auch durch das Denkmal für die Gefallenen aller Kriege geprägt ist, einem Werk des Bildhauers Alfredo Sassi aus Brianza.
Auf den Plätzen von Seregno sind interessante Werke zu finden, wie der Brunnen Mangia Bagaj auf der Piazza della Libertà, mit dem Symbol der Familie Visconti, das einen Drachen darstellt, der gerade ein Kind „verschlingt“. Der Legende nach hat der Stammvater der Visconti den Drachen getötet, um das Kind zu retten, denn das Familienwappen zeigt in verschiedenen Darstellungen die gleiche Szene mit einem Drachen oder einem „Lindwurm“, der einen Mann oder ein Kind verschluckt.
An der Piazza Concordia steht die Basilika Collegiata di San Giuseppe, ein prächtiges Gebäude im neoklassischen Stil mit rundem Grundriss aus dem Jahr 1769, an dessen Fassade hohe weiße Säulen angebracht sind, während sich im Inneren ein wunderschöner Altar befindet, ein Werk des Bildhauers Floriano Bodini. Ein weiteres bedeutendes Werk ist sicherlich die Wallfahrtskirche der Madonna di Santa Valeria, ein imposantes Gebäude aus roten Ziegeln im neugotischen Stil, mit prachtvollen Mosaiken auf der Außenseite und feinem Dekor im Inneren, mit sehr hohen Gewölben und einem Säulengang, der auf das Mittelschiff folgt, gekrönt von einem schönen vergoldeten Altar.
Wer durch die Stadt flaniert, findet mehrere Parks für entspannte Spaziergänge im Grünen und in der Umgebung von Seregno bieten sich verschiedene Aktivitäten an, wie Trekking, Wanderungen und Rad- sowie Mountainbike-Touren in den vielen nahe gelegenen Wäldern.
Probieren Sie unbedingt die „Cassoeula“, einen Eintopf aus Schweinefleisch und Wirsing, der hauptsächlich im Winter zubereitet wird, die Kutteln, das Safran-Risotto und die Torta Paesana, ein einfaches Dessert aus der bäuerlichen Tradition aus trockenem Brot, das in Milch eingeweicht und dann mit Zucker und Eiern gemischt wird.
Das Rennen geht weiter in Richtung Bergamo, einer bedeutenden italienischen Stadt, was sich an der Anzahl der Denkmäler und bedeutenden Werke zeigt. Aus diesem Grund wurde sie gemeinsam mit dem nahe gelegenen Brescia zur Kulturhauptstadt 2023 ernannt. Die Stadt Brescia verdient aufgrund ihres reichhaltigen historischen und künstlerischen Erbes, das an jeder Ecke zu sehen ist, eine besondere Erwähnung. Sie wurde um 560 n. Chr. von den Langobarden besiedelt und erlebte dank dieser eine Blütezeit. In der ganzen Stadt gibt es deutliche Zeugnisse von ihrem Wirken, aber der Ort, der die Geschichte von Brescia am besten erzählt, ist das Museum Santa Giulia, ein ehemaliges Kloster, das heute eine unglaubliche Sammlung von Artefakten aus prähistorischer Zeit bis zur Gegenwart beherbergt. Das Museum gehört zusammen mit dem archäologische Areal des kapitolinischen Tempels und dem Klosterkomplex San Salvatore zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Nach einer Strecke mit verschiedenen Höhenunterschieden erreichen die Athleten schließlich Bergamo, die Stadt, die aus zwei Teilen besteht: „Oberstadt“ und „Unterstadt“. Beide sind sehr antik, auch wenn sich die Unterstadt aufgrund der Urbanisierung bis heute stärker verändert hat.
Hier befinden sich die venezianischen Mauern von Bergamo, die 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden, ein imposantes Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert in Form einer Mauer, die von der Serenissima errichtet worden war, um die Grenzen der Republik Venedig zu verteidigen. Heute kann der Umfang der Mauer auf einem etwa 6 Kilometer langen Spaziergang erkundet werden, wobei sich die alten Bastionen, die Kanonen, die Pulverkammern und die vier imposanten Tore bewundern lassen: San Giacomo, San Lorenzo, Sant'Alessandro und Sant'Agostino.
Wenn Sie in Bergamo ankommen, empfehlen wir eine Fahrt mit der Standseilbahn, einer Art Straßenbahn, die vom Zentrum über die Befestigungsmauer hinweg in das mittelalterliche Herz der Stadt fährt, und aus der Sie alle Schönheiten der Gegend bequem betrachten können. Nicht verpassen sollten Sie die Accademia Carrara, wo Sie die Werke der größten Meister der Renaissance aus der Nähe sehen können: Botticelli, Raffael, Tizian, Bellini, Lotto und Moroni. Im antiken Teatro Donizetti können Sie die Werke des großen Komponisten Gaetano Donizetti hören, der 1797 in Bergamo geboren wurde. Hier werden jedes Jahr internationale Veranstaltungen und Festivals organisiert.
Es gibt zahlreiche Sehenswürdigkeiten überall in der Stadt, dazu kommen die vielen städtischen Gärten, gepflegte Oasen zum Entspannen im Grünen. Ein Muss ist der Besuch im Parco dei Colli di Bergamo, einem Naturschutzgebiet mit mehr als 5000 Hektar, das am Rand der historischen Oberstadt beginnt und sich zwischen zwei Flüssen, dem Brembo und dem Serio, über mehrere benachbarte Gemeinden erstreckt. Die Landschaft ist geprägt von Terrassen, Weinbergen und Gemüsegärten, von wo aus Sie das Panorama genießen können, das bis zu den umliegenden Hügeln und Bergen reicht: Die zahlreichen Wanderwege, die von den Wäldern über die Terrassen in die Täler führen bieten eine perfekte Gelegenheit für Ausflüge.
Durch die fruchtbare Landschaft hat sich in Bergamo im Laufe der Jahrhunderte eine bedeutende Kultur der Weingastronomie entwickelt, wo hervorragende Zutaten nach antiker Tradition verarbeitet werden. Der unbestrittene Spitzenplatz in der bergamasker Küche gehört der Polenta, die mit grobem Maismehl zubereitet und gemeinsam mit Schmorbraten, Käse oder Pilzen aus den umliegenden Wäldern serviert wird. Probieren sollte man außerdem die Casoncelli, frische Ravioli, oder die schmackhaften Käsesorten mit g.U., die es in unterschiedlichsten Variationen gibt. Kosten Sie auch die Weine von höchster Qualität und die ausgezeichneten Süßspeisen.
Das Siegertreppchen der Etappe
Mit dem Risotto alla Milanese von Küchenchef Enrico Croatti den Geschmack der Lombardei genießen
Der Risotto alla Milanese ist ein Rezept aus der gastronomischen Tradition der Lombardei, das dank zeitloser Zutaten auch auf moderne Weise zubereitet werden kann.
