Das Dorf Filadelfia in der Provinz Vibo Valentia liegt in der hügeligen Gegend von Piano della Gorna, unweit der WWF-Oase „Lago Angitola“ im Regionalpark Serre.
Der Name Filadelfia sowie die besondere städtische Struktur des Ortes gehen auf die frühere Siedlung Castel Monardo (auch Castelmonardo) zurück. Diese wurde durch das Erdbeben von 1783 zerstört und nach dem Modell der US-amerikanischen Stadt Philadelphia wieder aufgebaut.
Das schicksalhafte Datum des Erdbebens markiert den Zeitpunkt, an dem die Überlebenden ihren ursprünglichen Standort verlassen, um eine neue Stadt zu gründen: Filadelfia, was „brüderliche Liebe“ bedeutet, ist eine perfekte Kopie der gleichnamigen Stadt, die von William Penn entworfen wurde. Die Stadt ist rechtwinklig angelegt und in vier Quadranten unterteilt. In jedem Quadranten befindet sich eine Kirche (San Francesco di Paola, San Teodoro, Santa Barbara und Madonna del Carmine) sowie ein großer Platz im Zentrum. Am Ortseingang empfängt der Brunnen Fontana della Ficarazza die Besucher mit seinen drei Rohren und drei Masken (Hass, Liebe und Vergessen), aus denen das Wasser sprudelt. Im Stadtbild von Filadelfia vereinen sich Ideen der Aufklärung und Freimaurerei, partizipative Demokratie – durch eine eigens dafür eingerichtete Bürgerversammlung – und klerikale Prinzipien. Das bedeutendste öffentliche Gebäude ist der Palazzo Quattrocchi, der Sitz des Gemeinderats, mit seiner großen Uhr.
Unter den traditionellen Festen, für die Filadelfia bekannt ist, scheint insbesondere eine alte Tradition aus Castelmonardo wieder an Beliebtheit zu gewinnen: der sogenannte „Ballo del Cammello“ (Kamel-Tanz). Er wird anlässlich des Festes des Heiligen Franz von Paola am ersten Sonntag im August zum Rhythmus großer Trommeln getanzt. Auch der Karneval hat in den Straßen von Filadelfia eine besondere Bedeutung: Er wird „Carnivaletto“ (also „kleiner Karneval“) genannt und findet nach den offiziellen Feierlichkeiten statt.