Alle Geheimnisse des versunkenen Dorfes Graun in Südtirol
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Ein romanischer Glockenturm aus dem vierzehnten Jahrhundert steht mitten im blauen See. Seine Höhe hat es ihm ermöglicht, der einzige Protagonist eines versunkenen und aus der Zeit gefallenen Dorfes zu sein, dessen Name Graun ist. Es wird erzählt, dass man sogar noch das Läuten der Glocken hören kann, zumindest an sehr windigen Tagen.
Die Magie von Graun: zwischen Geschichte und Mythos
In Graun hatten die Eltern von Theresa Theiner ein Gasthaus, das Traube Post, das schließlich vom Wasser des Stausees überschwemmt wurde, der in den fünfziger Jahren für ein Wasserkraftwerk geschaffen wurde. Theresa erzählt, dass der Familienhund, ein Bernhardiner, jahrelang zum Bereich des Gasthauses schwamm, ohne die Überschwemmung zu akzeptieren. Fünf Jahre waren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen, und doch wurde in einer Ecke zwischen der Schweiz, Österreich und Italien die Bevölkerung einer ganzen Gemeinde vertrieben und ihre Häuser zerstört. Graun war verschwunden und alle waren zu Auswanderern geworden. Aber der mittelalterliche Glockenturm hat nie aufgegeben und ist mit seinem stolzen Aussehen immer noch da.
Der Reschensee ist der Protagonist einer italienischen Originalserie, die von Netflix ausgestrahlt wird. Diese Geschichte ermöglicht es dem Zuschauer, diese unglaublichen Momente zu erleben.
Heute hat Graun nur noch vierhundert Einwohner. Der Reschenpass ist eine der wichtigsten Verbindungen von Nord nach Süd.
Graun, einen Schritt zurück
Nur wenige kennen die Vergangenheit von Graun. Vor fast einem Jahrhundert kam die Idee auf, die beiden natürlichen Seen des nördlichen Vinschgaus zu einem einzigen großen See zu vereinen. In jenen Jahren war die Nachfrage nach Wasserkraft in Südtirol wie auch anderswo sehr groß, und die Folgen der einzelnen Entscheidungen wurden nicht immer berücksichtigt. In den Vierzigerjahren befürchtete man zwar Überschwemmungen in Graun, aber grobe Berechnungen gingen davon aus, dass der See nur um fünf Meter ansteigen könnte.
Als der Bau des Staudamms begonnen wurde, fingen die Probleme ab und die Bauern protestierten. Im Jahr 1949 wurden die Uferdämme aufgestaut und die Häuser am Rande des aufgeschütteten Staudamms von der Firma Montecatini, die die Arbeiten durchführte, abgerissen.
Mit dem Ansteigen des Wasserspiegels verschwand das Dorf Graun mehr und mehr vor den Augen der hilflosen Bewohner, und die anschließenden Entschädigungen wurden von vielen als lächerlich empfunden. Im Winter friert der Reschensee zu und im Sommer lädt er mit seinen durchschnittlich vierzehn Grad sicherlich nicht zum Baden ein. Andererseits ist er dank des Windes das Ziel der besten Kitesurfer Europas