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Der Trajansbogen von Benevent, Museumsstadt zwischen Antike und Transavantgarde
Der Trajansbogen ist das Symbol von Benevent.
Dank ihrer Lage im Hinterland des Apennin in Kampanien und zwischen den Flüssen Sabato und Calore verfügt die Stadt über eine geschichtsträchtige Vergangenheit, die sich idealerweise in drei Perioden unterteilen lässt: eine römische, eine langobardische und eine päpstliche. Damals blühender und wichtiger Kreuzpunkt zwischen den bedeutendsten Handelsstraßen und -strecken jener Zeit, bietet Benevent auch heute noch einzigartige Blickfänge und der Trajansbogen ist einer von ihnen.
Der Bogen als monumentaler historischer Comic
Errichtet anlässlich der Einweihung einer neuen Straße, der Traianea, einer sicheren und schnellen „Abkürzung“ zur Via Appia, die Rom mit den südlichen Provinzen verband, mit Brindisi und folglich mit dem Osten, stellt der Trajansbogen in Benevento eines der wichtigsten Zeugnisse der römischen Antike im Samnium und in ganz Kampanien dar. Durch seine Errichtung im Jahr 114 n. Chr., zu einer Zeit, als die Stadt ihre strategische und politische Rolle festigte, ist der Bogen auch ein Zeugnis der letzten großen Eroberungen des Römischen Reiches, die von Dakien über Germanien bis nach Mesopotamien reichten.
Der Trajansbogen, der weltweit der am besten erhaltene Bogen mit skulpturalen Reliefs ist, besteht aus mit parischem Marmor verkleideten Kalksteinblöcken und hat eine Höhe von 15,60 Metern sowie eine Breite von 8,60 Metern.
Wenn man ihn langsam umgeht, kann man ihn „lesen“, als wäre er ein monumentaler historischer Comic. Die erzählerische Gestaltung seiner Dekorationen berichtet in der Tat von den Erfolgen und dem Glück des Prinzeps innerhalb und außerhalb der Grenzen des Römischen Reiches, dessen heilige Traditionen, Siege, aber auch seine gute Verwaltung in Friedenszeiten gefeiert wurden.
Die imperiale Grandezza des römischen Theaters
Das 126 n. Chr., nur einige Jahre nach dem Trajansbogen, während der Regierungszeit des Kaisers Hadrian erstellte (jedoch erst um 1920 ins rechte Licht gesetzte) römische Theater ist ein weiteres signifikantes Zeugnis für die Bedeutung, die Benevent für Rom hatte. Mit seinem außergewöhnlichen Fassungsvermögen - es konnte bis zu 15.000 Menschen Platz bieten - und seinen auf drei Ebenen angeordneten 25 Bögen ist es eines der am besten erhaltenen antiken Theater, ebenso wie eines der größten und schönsten, so dass man bei geschlossenen Augen immer noch den Jubel und Trubel der Zuschauer von vor zweitausend Jahren hören kann.
Die Herrschaftszeiten von Benevent, wie sie von seinen Bauwerken erzählt werden
Benevent ist ein wahres „Freilichtmuseum“, das mit seinen prestigeträchtigen Bauwerken von den glorreichen Ereignissen zeugt, deren Protagonist es war: Nicht weit vom Trajansbogen entfernt steht die Kirche der Heiligen Sophia mit ihrem wunderschönen Kreuzgang, in der sich heute das Museum des Sannio befindet und die seit 2011 UNESCO-Weltkulturerbe ist. Hier kann man ein weiteres Kapitel der Geschichte kennenlernen: das der langobardischen Herrschaft, als die Stadt zum Sitz eines Fürstentums wurde.
Mit ihren kleinen Proportionen, die einem das Gefühl geben, etwas „unproportioniert“ zu sein, ihrem sternförmigen Grundriss und der ungewöhnlichen Anordnung der Pfeiler und Säulen ist die um 760 entstandene Heilige Sophia eine der wichtigsten Kirchen der sogenannten Langobardia Minor, wie die langobardischen Herrschaftsgebiete in Mittel- und Süditalien im frühen Mittelalter genannt wurden.
Andere Gebäude der Stadt, wie die imposante Festung der Rektoren, die den Verlauf der Flüsse Calore und Sabato überblickt, der Dom, der während der Bombenangriffe der Alliierten im Jahr 1943 fast vollständig zerstört wurde, sowie die Basiliken San Bartolomeo und Madonna delle Grazie, belegen stattdessen das Ende der langobardischen Herrschaft und den Übergang von Benevent in die päpstliche Herrschaft.
Ein Initiationsweg durch Kunst und Grün
Und um in die Gegenwart zurückzukehren, oder vielmehr in die Postmoderne der italienischen Transavantgarde, ist auch der Hortus conclusus einen Besuch wert, eine künstlerische Gestaltung, die von Domenico Palladino kuratiert und 1992 in Zusammenarbeit mit den Architekten Roberto Serino und Pasquale Palmieri sowie dem Lichtdesigner Filippo Cannata realisiert wurde.
Umgeben von den Mauern des Klosters San Domenico und einer zweiten Stadtmauer, die von den Stadtmauern der Langobardenzeit inspiriert ist, mit Ziegeln und Ergänzungen aus Stein und Bronze, ist der geschlossene Garten von Palladino nach dem Vorbild der Klostergärten ein geheimer und geschützter Ort. Hier kann man anhand von historischen, mythologischen, biblischen, alchemistischen und psychoanalytischen Zitaten einen persönlichen Initiationsweg einschlagen.
Von Fusilli bis Cicatielli: das Reich der handgemachten Pasta
Nachdem Sie Ihre historische und künstlerische Neugier gestillt haben, kann Benevent auch Ihren Gaumen verwöhnen: Die Küche von Benevent und die sannitische Küche im Allgemeinen besteht aus sehr einfachen Spezialitäten, insbesondere aus ersten Gängen auf der Grundlage von handgemachter Pasta. Von den mit einer Wollspindel (fuso in Italienisch) hergestellten Fusilli, die man gewöhnlich mit einem Ragù, einer Fleischsoße, die der neapolitanischen sehr ähnlich ist, sowie mit geriebenem Pecorino anrichtet, bis zu den Cicatielli di Benevento, die mit den Fingern zubereitet und mit Ragù, Lammsauce oder zu Hülsenfrüchten serviert werden.
Mehr erfahren: https://www.visit-campania.it/visitare-benevento-e-dintorni-storia-cultura-ed-enogastronomia/
Via Traiano, 82100 Benevento BN, Italia