Das Bergantino-Nymphäum in Castel Gandolfo: Die kaiserliche Grotte, in der Domitian die Odyssee inszenierte
Am Westufer des Albaner Sees, in Castel Gandolfo, verbirgt sich das Bergantino-Nymphäum, eine natürliche Grotte, die im 1. Jahrhundert n. Chr. für Kaiser Domitian in eine Unterwasserszenerie umgestaltet wurde. Es gehörte zu seiner riesigen Villa, dem Albanum Domitiani, die sich über 14 Quadratkilometer rund um den Krater erstreckte. Heute nennt man es auch Bagni di Diana (Bäder der Diana), und ein Besuch dort bedeutet, eine feuchte, tropfende Umgebung zu betreten, die in der Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Vom Puzzolane-Steinbruch zum mythologischen Theater
Der Ursprung der Grotte ist banal: Sie war ein Steinbruch für vulkanisches Material. Der Kaiser Domitian ließ sie mit einer Mischkonstruktion aus Reticulatum und Ziegeln auskleiden und verwandelte sie in ein Nymphäum mit mehreren Räumen. In der Mitte befand sich ein rundes Becken mit einem Durchmesser von 17 Metern, das hellblau bemalt und mit Meeresmosaiken eingefasst war und in dem sich eine kolossale Skulpturengruppe befand: Odysseus, der Polyphem blendet. Rundherum standen Statuen von Scylla, Diana und einer Medusa. Die Wände waren mit Bimssteinen in Form von künstlichem Fels verziert. Das Wasser kam aus einem verborgenen Kanal am Boden der Grotte.
Die Brigantine des Papstes
Im siebzehnten Jahrhundert erweckte Papst Alexander VII. das Nymphäum wieder zum Leben und nutzte es als Bootshaus für sein kleines Schiff, eine Brigantine, mit der er im Sommer über den See fuhr. Daher kommt der heutige Name. Die im neunzehnten Jahrhundert geborgenen Fundstücke, darunter der Polyphem, sind heute im Antiquarium der Villa Barberini ausgestellt.