Übersicht
Eine 1590 gegründete Adelskapelle, reich an Symbolen, die an die Ideen und die Persönlichkeit des Prinzen Raimondo di Sangro erinnern, einer eklektischen Persönlichkeit des achtzehnten Jahrhunderts und einer der bewundertsten Intellektuellen Europas: Wissenschaftler, Literat, Erfinder, Anatom, Waffenmann, Alchemist, Freimaurer. Der Prinz war es, der die Renovierung des Gebäudes zwischen 1749 und 1771 anordnete, und er war es auch, der sich um jedes Detail kümmerte und die Künstler in ihrer Arbeit anwies. Man kann ihm dafür nur dankbar sein. Dieser Ort hat nämlich etwas Außergewöhnliches an sich.
Das Innere hat eine perfekte Balance zwischen den Räumen und der Farbe des Marmors, darunter das Gewölbe mit Fresken von Francesco Maria Russo. Auch die Gräber wurden vom Prinzen entworfen und wurden so angeordnet, dass sie einen freimaurerischen Initiationsweg darstellen. Über dem Eingang stellt das Grab von Cecco di Sangro die merkwürdige Episode dar, bei der der scheinbar im Kampf getötete Anführer den Sarg verließ, das Schwert zog und die Feinde bedrohte. Dann gibt es die Statue der Erziehung von Francesco Queirolo, das Denkmal für Paolo di Sangro von Antonio Corradini, das Grab von Raimondo di Sangro, das nach einem Entwurf von Francesco Maria Russo errichtet wurde und dem ein Bodenabschnitt mit einem Labyrinth vorausgeht. Darüber hinaus ist „La Sincerità (Die Aufrichtigkeit)“ ein skulpturales Werk von Queirolo. Dem Hochaltar geht der Gedenkaltar von S. Rosalia voraus, der in der Skulptur von Queirolo dargestellt ist und zwei der spektakulärsten Statuen des gesamten Gebäudekomplexes darstellt, die das Ergebnis einer außergewöhnlichen technischen Fähigkeit sind: die verschleierte Figur der Sittsamkeit von Corradini und die Ernüchterung von Queirolo. In diesem bewundernswerten Werk wird das Thema des Schleiers, das mehrmals in der Kapelle wiederholt wird, durch ein überraschendes Marmornetz wirksam dargestellt, das auf die Laster und Leidenschaften anspielt, in denen der Mensch im irdischen Leben bis zur endgültigen Umkehr im Glauben und in der Wahrheit gefangen ist, auf die sich der Engel mit dem brennenden Kopf bezieht.
In der Mitte des Kirchenschiffs kann man den berühmten verschleierten Christus bewundern, ein Meisterwerk von Giuseppe Sammartino (1753), eine der eindrucksvollsten Statuen der Welt. Viele fragen sich immer noch, ob der Schleier, der den Christus bedeckt, das Ergebnis eines alchemistischen Werkes des Prinzen oder des außergewöhnlichen Talents seines Bildhauers ist. Die Transparenz des Leichentuchs täuscht seit mehr als 250 Jahren und lässt vermuten, dass es sich um eine „Marmorierung“ handelt. Das Meisterwerk ist jedoch alleiniges Werk von Giuseppe Sammartino: Dies wird durch ein Dokument des Historischen Archivs der Bank von Neapel vom 16. Dezember 1752 belegt.
Via Francesco de Sanctis, 19/21, 80134 Napoli NA, Italia