Übersicht
Der Dom von Taranto präsentiert sich mit der fast koketten Eleganz einer Fassade aus dem Jahr 1713. Wenn wir jedoch glauben, dass wir es mit einer Barock- oder gar Rokokokathedrale zu tun haben, würden wir uns irren, und zwar nicht nur ein wenig. Wir stehen an der Schwelle eines tausendjährigen Kultes, wo bereits die Griechen beteten, die hier einen Tempel errichtet hatten, der vielleicht Herakles gewidmet war. Dann kamen eine byzantinische Kirche und schließlich dieser Dom, der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts im monumentalen romanischen Stil erbaut wurde, als die Überreste des Schutzpatrons San Cataldo gefunden wurden. Die ältesten Spuren des Gebäudes sind an den Seiten und an der Vierungskuppel zu erkennen, die mit blinden Arkaden und schlanken Säulen geschmückt sind. Im Inneren sind im Boden die Überreste eines Mosaiks aus dem Jahr 1160 erhalten, die Krypta ist ein eindrucksvolles Erbe der byzantinischen Kirche und die Säulen, die die Kirchenschiffe säumen, stammen aus noch weiter zurückliegenden Zeiten, da es sich um wiederverwendete Materialien handelt. Um die spätbarocke Stimmung der Fassade wiederzufinden, muss man den Blick von den Säulen bis zur Decke schweifen lassen: Auch sie wurde 1713 umgebaut, wobei die Holzverkleidungen mit größter Sorgfalt und ohne Rücksicht auf die Kosten verziert wurden. Der Spitzname „goldener Himmel der Kathedrale“ ist definitiv verdient. Besonders reich ist die Kapelle des Heiligen Cataldo, die 1657-84 im Barockstil erbaut und mit Heiligenstatuen aus weißem Marmor geschmückt wurde, von denen einige von Giuseppe Sanmartino, dem phänomenalen neapolitanischen Bildhauer des „Verhüllten Christus“, stammen.