Die Papierfabrik Cartiera Latina an der Appia Antica: Tausend Jahre Handwerkskunst am heiligen Fluss von Rom
Auf der zweiten Meile der Appia Antica, die vom Fluss Almone durchquert wird – einem der heiligen Flüsse Roms, der seit dem 20. Jahrhundert größtenteils unterirdisch verläuft –, befindet sich die Cartiera Latina, eine der wenigen historischen Industrieanlagen, die in der Gemeinde Rom erhalten geblieben sind. Die Fabrik wurde 1986 geschlossen; seit 1998 ist sie Sitz des Regionalparks Appia Antica.
Tausend Jahre an einem einzigen Ort
Die Produktionsgeschichte des Standorts beginnt im Jahr 1081: Hier gab es bereits eine Walkmühle, eine hydraulische Anlage zur Verarbeitung von Wolle. Im Jahr 1656, als die Pest in Rom wütete, wurde die Walkmühle „Acquataccio“ (Schmutzwasser) genutzt, um die Wolle der Matratzen zu desinfizieren. Später wurde sie umfunktioniert: 1804 mahlte sie Vallonea für die Ledergerbung, 1823 verarbeitete sie die Mortella (Echte Myrte), eine Pflanze, die auch in der Medizin verwendet wird, und 1875 mahlte sie Farben für die Keramik. In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie zu einer industriellen Papierfabrik umgewandelt, die Papier aus Leinen- und Baumwollabfällen herstellte. Im Jahr 1931 nahm sie ihren endgültigen Namen „Società Anonima Cartiera Latina“ an.
Was es heute zu sehen gibt
Der Komplex ist heute ein multifunktionaler Raum: zwei Säle für Ausstellungen und temporäre Veranstaltungen, ein Konferenzsaal und ein Tagungsraum. Außerdem gibt es die Institutionsbibliothek Fabrizio Giucca, den Bildungsbereich „Dì Natura“ für Aktivitäten mit Schulen und der Öffentlichkeit sowie eine gut ausgestattete Grünfläche, auf der sich der Hortus Urbis befindet, ein städtischer Gemüsegarten, der den Traditionen der ländlichen römischen Gegend gewidmet ist.