Die Kirche Sant'Antonio in Isola del Liri: Vom mittelalterlichen Kloster bis zum Massaker von 1799
An der Stelle, an der sich heute die Kirche Sant'Antonio befindet, stand im 14. Jahrhundert ein Benediktinerinnenkloster mit einer Kirche, die dem Heiligen Johannes dem Täufer geweiht war. Als sie in den Besitz der Franziskaner übergegangen war, erhielt sie im 15. Jahrhundert den Namen Kirche San Francesco. Es handelt sich um einen einschiffigen Bau mit Holzbalkendecke – der franziskanische Stil ist noch erkennbar. Die Giebelfassade verfügt über einen Okulus, zwei einbogige Fenster mit Glasmalereien und ein quadratisches Portal.
Das Massaker und der Wiederaufbau
Am 12. Mai 1799, dem Pfingstsonntag, marschierten die jakobinischen Truppen von General Watrin nach stundenlangem Artilleriebeschuss in Isola del Liri ein. In der Kirche San Lorenzo, neben der Cascata Grande, töteten sie 537 Menschen, die dort Zuflucht gesucht hatten, weil sie dachten, sie seien in Sicherheit. Auch die Kirche San Francesco wurde in Brand gesteckt. Nach der Tragödie wurde die Kirche der Bruderschaft des Allerheiligsten Kruzifixes gestiftet. Im Jahr 1812 ließ Gioacchino Manna das Kloster für industrielle Zwecke umbauen und stellte dort eine Statue des Heiligen Antonius auf: Seitdem setzte sich bei den Bewohnern von Isola di Liri der heutige Name der Kirche durch.
Das verhüllte Kruzifix
Heute birgt die Kirche die Statue des Allerheiligsten Kruzifixes, die mit einem roten Tuch bedeckt ist und nur einmal im Monat enthüllt wird. Am Donnerstag vor dem Fest wird sie in einer Prozession nach San Lorenzo getragen. Am 13. Juni wird hingegen der Heilige Antonius in einer Prozession durch die Straßen der Stadt der Wasserfälle getragen.