Der Turm der Lamberti, auch bekannt als „Turm der Glocken“ (Torre delle Campane), ist mit seinen 84 Metern der höchste der Stadt. Er wurde im Jahr 1172 in dem Gebiet errichtet, in dem sich einst das antike römische Forum befand, wahrscheinlich von Bozeno de Lamberto, der zu einer bedeutenden Kaufmannsfamilie gehörte. Der Turm der Familie Lamberti ist ein auffälliges Beispiel, das die Gewohnheit der reichen Familien des Mittelalters dokumentiert, Turmhäuser zu bauen, in denen sie leben konnten, oder Residenzen, die von Türmen flankiert wurden, in denen sie Zuflucht suchen konnten. Es bestand die Notwendigkeit, sich zu schützen wegen der internen Kämpfe zwischen den Guelfen und Ghibellinen. Der ursprüngliche Bau von 37 Metern Höhe spiegelte den romanischen Stil Veronas wider, in dem sich Ziegel mit Tuffsteinquadern abwechselten. Er wurde in den Palazzo del Consiglio (Ratspalast) integriert und im Jahr 1295 mit zwei Glocken ausgestattet, die Rengo und Marangona heißen. Die größere, die Rengo (von „arengo“, Ort der Volksversammlungen), rief anlässlich der Stadträte oder im Falle einer Gefahr zur Versammlung auf. In Bezug auf die Größe steht sie in Venetien nur hinter der großen Glocke des Doms von Verona zurück. Die Glockenschläge der Marangona („marangon“ bedeutet auf Venetisch Schreiner) hingegen wiesen die Handwerker auf das Ende der Arbeitsschicht und hin signalisierten Brände. Aufgrund eines Blitzschlags, der im Jahr 1403 den Endteil beschädigte, wurde zwischen 1448 und 1463 der achteckige Glockenturm errichtet und um 1795 die Uhr eingesetzt. Der Aufstieg zur Spitze des Turms kann zu Fuß über die 368 Stufen der Treppe, die im Inneren verläuft, oder mit dem Aufzug erfolgen. Von dort oben hat man einen privilegierten und spektakulären Blick auf die historische Stadt Verona.