Übersicht
Es war eine gute Idee, eine Festung praktisch mitten im Wasser zu errichten: Das erschwerte möglichen Feinden die Belagerung, ganz zu schweigen von einer Eroberung. Heute sieht La Rocca ziemlich friedlich aus, aber dem war in den Jahrhunderten nach dem Jahr 1000 wohl nicht so, schon gar nicht zwischen 1200 und 1300, als die Regierung der Scaliger, das heißt der Veroneser Dynastie der Familie della Scala, hier am oberen Teil des Gardasees Fuß gefasst hatte. Der aus jener Zeit stammende Bergfried war nicht wie der Rest verputzt und man kann sich vorstellen, wie kriegerisch das Ganze ausgesehen haben muss, bevor die österreichischen Kaiser im 19. Jahrhundert die höchsten Teile der Ecktürme abreißen ließen, wodurch die alte Burg eher das Aussehen einer gewöhnlichen Kaserne erhielt.
Dass die schrittweise Umfunktionierung für zivile Zwecke heute abgeschlossen ist, wird offensichtlich, wenn man das Museum Alto Garda besucht, das auch einfach als MAG bekannt ist. Es gibt eine Pinakothek, die Werke vom 15. bis zum 19. Jahrhundert umfasst und in der lokale oder zumindest Trentiner Künstler ausgestellt sind sowie Ansichten von Malern, die von den Landschaften des Gardasees fasziniert waren. Aber vor allem gibt es dort eine archäologische Sammlung von Gegenständen, die viel weiter in die Vergangenheit zurückreichen, in eine Zeit noch vor La Rocca: Statuenstelen aus der Kupferzeit, antike römische Funde und Zeugnisse aus dem Hochmittelalter. Einige Fresken, die während der Restaurierungsarbeiten gefunden wurden, zeigen, dass sich auch die Fürstbischöfe von Trient im 16. Jahrhundert um die Verschönerung des Gebäudes bemüht haben.
Auf jeden Fall ist es auch ein Stadtmuseum: Der Besucher sollte nicht die Dokumentation über die weniger alte Geschichte von Riva und dem Fluss Basso Sarca auslassen, der von der Adamello-Bergkette herabfließt und den See bildet. Es geht dabei auch um den großen touristischen Reichtum von Riva, zumindest seit den Zeiten von Thomas Mann und Franz Kafka. Zudem kann man die beschauliche Ruhe der Orte von der Spitze des Bergfrieds aus auf sich wirken lassen.