Appignano: Keramik zwischen Geschichte und Design
Der Besuch in Appignano beginnt am Morgen, wenn das Dorf noch ruhig ist und in den Werkstätten das gleichmäßige Geräusch der Drechselbänke zu hören ist. Die Tradition der „Cocci“ (Töpferwaren) reicht hier bis ins Mittelalter zurück. Die Qualität des lokalen Tons begünstigte zu dieser Zeit die Entstehung einer florierenden Produktion von Geschirr und Behältern aus Terrakotta. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich diese Tätigkeit so stark, dass Appignano zu einem der wichtigsten Keramikzentren der Region wurde.
Bei einem Spaziergang durch die Altstadt mit ihren stillen Gassen und Blickwinkeln, die das mittelalterliche Stadtbild bewahrt haben, begegnen Ihnen Werkstätten und Ateliers, in denen erfahrene Töpfer und junge Designer traditionelle Formen mit einem zeitgenössischen Stil neu interpretieren. Es ist faszinierend, der Arbeit an der Töpferscheibe zuzusehen: Innerhalb weniger Minuten nimmt der weiche Ton unter sicheren Händen Gestalt an und offenbart die Präzision sowie das Gedächtnis alter Handgriffe. Wenn Sie mehr über die Verbindung von Appignano mit seinem Handwerk erfahren möchten, nehmen Sie sich einige Minuten Zeit für die Terrakotta- und Keramiksammlung im Rathaus.
Nach dem Handwerksviertel lädt Appignano zum Verweilen ein. Bei einem Spaziergang durch die Via Roma und die Seitenstraßen können Sie das authentische Gesicht des Ortes entdecken. Wenn es Zeit für das Mittagessen ist, wählen Sie eine Trattoria im Zentrum und probieren Sie die Vincisgrassi alla maceratese oder das Coniglio in potacchio, begleitet von einem guten Glas Verdicchio di Matelica.
Mogliano: das Flechtviertel
Weiter südlich erreichen Sie Mogliano. Der Ort liegt auf einem von Olivenhainen umgebenen Bergrücken und bietet einen Blick auf die sanften Hügel des Hinterlands von Macerata. Zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstand hier ein regelrechtes Flechtwerkzentrum, das für die Qualität seiner aus Schilf, Weide, Bambus und Rattan hergestellten Produkte bekannt war. Dieses Wissen wurde innerhalb ganzer Familien über Generationen hinweg weitergegeben. Sie verwandelten natürliche Fasern in Alltagsgegenstände und Möbel mit schlichtem Charme.
Heute erlebt diese Tradition dank zeitgenössischer Ateliers und Unternehmen wie Bottega Intreccio, wo alte Techniken mit innovativem Design in Dialog treten, eine Renaissance. Betreten Sie eine Werkstatt und werden Sie Zeuge eines fast schon hypnotischen Prozesses: die Auswahl der Fasern, das Einweichen des Weidengeflechts, die Vorbereitung der Filamente und schließlich das langsame und präzise Flechten, aus dem Körbe, Lampen und Einrichtungsgegenstände mit unverwechselbarem Charakter entstehen.
Die kompakte und harmonische Altstadt lädt zu einem gemütlichen Spaziergang ein. Zwischen gepflasterten Gassen, herrschaftlichen Palazzi und malerischen Ausblicken offenbart Mogliano eine gemütliche und angenehme Atmosphäre. Auf dem Weg lohnt es sich, im MASM – Museo di Arte Sacra di Mogliano (Museum für sakrale Kunst von Mogliano) vorbeizuschauen. Es ist in der Kirche Santa Maria in Piazza untergebracht und beherbergt ein Meisterwerk von Lorenzo Lotto. Besichtigen Sie unbedingt die Kirche San Gregorio Magno mit ihrer malerischen Treppe oder den Palazzo Forti, der von der historischen Bedeutung des Ortes zeugt.
Zum Abschluss des Tages wählen Sie eine der Bars im Zentrum für einen Aperitif. Genießen Sie ein Glas Ribona und einige lokale Köstlichkeiten und erleben Sie so einen letzten Einblick in die authentische Atmosphäre von Mogliano.
Ripe San Ginesio: das Dorf als Werkstatt
Die Reise geht weiter in Ripe San Ginesio, einem Dorf mit Blick auf die Sibillini-Berge. In den letzten Jahren ist es dank der Handwerker, die sich hier niedergelassen haben, zu neuem Leben erwacht. Bei einem Spaziergang durch die steinernen Gassen werden Sie sofort spüren, wie die Altstadt durch diese kreativen Räume wieder zum Leben erweckt wurde. Es gibt kleine Werkstätten, zeitgenössische Ateliers und Handwerksbetriebe, die alte Techniken und moderne Experimente bewahren.
Beginnen Sie Ihren Besuch in den über das Dorf verstreuten Werkstätten: Töpferwerkstätten, Schmuckhandwerker, eine Schneiderei, die mit natürlichen Stoffen arbeitet, sowie kleine Betriebe, die aus einfachen Materialien wie Holz, Stoff und Metall Unikate fertigen. Viele Handwerker öffnen gerne ihre Türen für Besucher. So bieten sie die wertvolle Gelegenheit, ihr Können zu beobachten, die verwendeten Materialien kennenzulernen, ihren Geschichten zu lauschen und zu erleben, wie ein handgefertigtes Objekt entsteht.
Nach diesem Rundgang durch die Handwerksbetriebe des Ortes lassen Sie sich durch die Gassen und kleinen Plätze führen. Ripe San Ginesio beherbergt zahlreiche Kunstwerke, kleine Installationen und künstlerische Interventionen, die mit der Architektur in Dialog treten und Ihren Spaziergang begleiten werden. Hier ist Kunst nicht in Museen eingeschlossen, sondern sie fügt sich in das Stadtgefüge ein. So wird die gesamte Altstadt zu einem weitläufigen Museum, was Ihren Besuch noch überraschender macht.
Zum Abschluss des Rundgangs empfehlen wir einen Besuch der Pinacoteca di Arte Contemporanea (Pinakothek für zeitgenössische Kunst). Dort finden Sie Werke und Ausstellungen, die den kulturellen Projekten gewidmet sind, die zur Erneuerung des Ortes und seiner kreativen Identität beigetragen haben.
Wenn Sie eine kulinarische Pause einlegen möchten, suchen Sie eine Bäckerei oder eine kleine Osteria im Zentrum auf. Der Giauscolo IGP, das rustikale lokale Brot und ein Stück hausgemachte Crostata bieten Ihnen einfache und authentische Aromen. Genießen Sie diese mit einem Glas Vernaccia di Serrapetrona, einem spritzigen Rotwein aus dem Hinterland von Macerata.
Wenn Sie eine kulinarische Pause einlegen möchten, suchen Sie eine Bäckerei oder eine kleine Osteria im Zentrum auf. Der Giauscolo IGP, das rustikale lokale Brot und ein Stück hausgemachte Crostata bieten Ihnen einfache und authentische Aromen. Genießen Sie diese mit einem Glas Vernaccia di Serrapetrona, einem spritzigen Rotwein aus dem Hinterland von Macerata.
Pioraco: Wo Papier von der Kraft des Wassers erzählt
Unsere Reise endet in Pioraco, einem Dorf, das zwischen den Felswänden des Apennins und dem klaren Fluss Potenza liegt. Hier, zwischen Wasser und Wäldern, entstand eine der ältesten Handwerkstraditionen der Marken: die Papierherstellung, die seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert ist. Bei einem Spaziergang durch die Straßen des Ortszentrums spürt man noch heute die tiefe Verbindung zwischen dem Dorf und dieser Tradition.
Beginnen Sie Ihren Besuch im Papier- und Wasserzeichenmuseum, in dem historische Maschinen, Formen und Webstühle sowie Tafeln von jahrhundertealtem handwerklichem Wissen erzählen. Bei Führungen können Sie in die Welt des handwerklichen Papiermachens eintauchen und erfahren, wie das Material einst von den Papiermachermeistern verarbeitet wurde. Zu bestimmten Zeiten des Jahres organisiert das Museum Vorführungen und Workshops in Kalligrafie, historischer Buchbinderei, Origami und Papierherstellung.
Nach einem Spaziergang durch die ruhigen Gassen, Kanäle, Plätze und malerischen Ausblicke der Altstadt können Sie sich von der Natur rund um Pioraco überraschen lassen: Nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt beginnt der kurze, aber landschaftlich reizvolle Wanderweg Li Vurgacci, der Sie zwischen Holzstegen, Wasserfällen und von der Zeit geformten Felswänden hindurchführt. Hier formt das Wasser Steine und Perspektiven, während entlang des Weges die Felsskulpturen des Künstlers Antonio Ciccarelli auftauchen. Sie zeigen Gesichter, geheimnisvolle Kreaturen und imaginäre Formen und machen den Spaziergang zu einer fantastischen Reise.
Ein Abstecher zur Passarella del Bacio ist für Romantiker vor der Abreise aus Pioraco fast ein Muss: ein kleiner Ausschnitt zwischen Wasser und Natur, perfekt für ein Foto oder einen Moment der Ruhe.