Im Herzen der Gallura entwickelte sich Calangianus im 20. Jahrhundert zu einem der am stärksten industrialisierten Zentren Italiens, dank einer natürlichen Ressource, die das Gebiet seit jeher prägt: Kork. Die Korkverarbeitung auf Sardinien, die offiziell im Jahr 1851 begann, veränderte die lokale Wirtschaft grundlegend und führte zur Gründung von Werkstätten und Unternehmen, die Hunderten von Menschen, auch aus den Nachbarorten, Arbeit boten. Der berühmte Korken, Symbol der produktiven Exzellenz der Gallura, wurde erfolgreich auf der Internationalen Ausstellung in Mailand präsentiert und machte Calangianus zur italienischen Hauptstadt der Branche.
Die Kunst der Korkverarbeitung: von der Entschalung bis zum fertigen Produkt
Die Tradition des sardischen Korks entstammt der „Decortica“, der alten Praxis der Gewinnung der Rinde aus der Korkeiche, die mit großer Geschicklichkeit und unter Berücksichtigung der natürlichen Zyklen der Pflanze durchgeführt wird. Aus diesem vielseitigen Rohstoff entstehen nicht nur Flaschenverschlüsse, sondern auch Schuhe, Taschen, Möbelplatten, Wärmedämmstoffe, Modeaccessoires und Designobjekte bis hin zu kuriosen Produkten wie Baseballbällen. Die Korkindustrie in Gallura hat sich im Laufe der Zeit zu einem Modell für nachhaltige Wirtschaft entwickelt, das in der Lage ist, eine erneuerbare Ressource und Identität aufzuwerten und Calangianus zu einem der wichtigsten Produktionszentren für Kork in Italien zu machen.
Das Korkmuseum und die wichtigsten Produktionszentren
Diese außergewöhnliche Industrie- und Handwerksgeschichte wird vom Museo del Sughero (Korkmuseum) erzählt, das im ehemaligen Kapuzinerkloster untergebracht ist. Der Museumsrundgang führt die Besucher durch alle Phasen der Produktion, mit historischen Maschinen, historischen Filmen, Fotografien und Originalwerkzeugen wie Drehmaschinen und Werkbänken. Zu den Kuriositäten gehört eine Krippe, die vollständig aus Kork gefertigt wurde und von der lokalen Kreativität zeugt. Neben Calangianus sind auch andere Orte in der Gallura an der Verarbeitung von Kork beteiligt. Sie tragen dazu bei, eine Tradition am Leben zu erhalten, die Handwerk, Industrie und Kultur vereint. Diese Tradition wird jedes Jahr auf der historischen Korkmesse gefeiert, die 1978 ins Leben gerufen wurde.