Kirche Santa Maria Maggiore in Labro: von der Waffenkammer zum Ort des Gebets
Am höchsten Punkt von Labro, einem Dorf in der Sabina mit Blick auf den Piediluco-See, befindet sich die Kirche Santa Maria Maggiore. Sie war nicht immer eine Kirche. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts befand sich hier die Waffenkammer der Festung der Nobili, die seit 956 die Herrschaft über das Dorf innehatten. Dann tötete Giovanni de‘ Nobili einen Priester, woraufhin Papst Sixtus IV. die gesamte Familie exkommunizierte. Der Preis für die Aufhebung der Exkommunikation: Der Hauptturm musste abgerissen und die Waffenkammer in einen heiligen Ort umgewandelt werden.
Von der Festung zur Stiftskirche
Im Jahr 1508 erhob Kardinal Colonna, Bischof von Rieti, die Kirche zur Stiftskirche und machte sie zur Hauptkirche des Gebiets. An der Steinfassade ist das Portal aus dem 16. Jahrhundert mit den Säulen, die das Gebälk tragen, erhalten – es war das ehemalige Eingangstor zur Burg. Der einschiffige Innenraum verfügt über Kreuzgewölbe, die mit einem Sternenhimmel bemalt sind.
Sehenswertes
In der ersten Kapelle auf der linken Seite befindet sich hinter einem mit Rosetten und Kleeblättern verzierten Holzverschlag ein Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert, in dessen Becken drei Fische eingemeißelt sind. An der Wand ist eine Verkündigung zu sehen, die Bartolomeo Torresani zugeschrieben wird, einem Maler aus Verona, der im 16. Jahrhundert in Sabina tätig war. Im Obergeschoss, das über eine Innentreppe erreichbar ist, befindet sich die Rosenkranzkapelle, in der das romanische Fenster mit Trommelschluss und das Portal aus dem Jahr 1494 sehenswert ist, auf dessen Türpfosten Reptilien und Skorpione als Reliefs dargestellt sind.