Kirche San Giacomo in Gaeta: die geheime Geschichte der Kapelle der zum Tode Verurteilten
Im Herzen der Altstadt befindet sich die Kirche San Giacomo in Gaeta. Viele kennen sie auch als Chiesa dell'Ulivo (Olivenbaumkirche) oder Chiesa della Vergine (Jungfrauenkirche). Offiziell ist diese Kirche Mariä Geburt gewidmet, doch verbirgt sie eine komplexe Geschichte, die mit der Bruderschaft der Weißen (Arciconfraternita dei Bianchi) und der seelsorgerischen Betreuung von zum Tode Verurteilten vor ihrer Hinrichtung verbunden ist.
Zwei Portale, zwei Epochen
Das Gebäude hat ein schlichtes, fast schon strenges Erscheinungsbild. Die Hauptfassade wird durch ein Steinportal aus dem späten 16. Jahrhundert bereichert. Das älteste Detail befindet sich jedoch auf der rechten Seite. Ein kleiner Eingang aus dem 14. Jahrhundert, der aus lokalem Stein gehauen ist, zeigt auf dem Sturz einen Christus Pantokrator. Ein seltenes Detail. Das einschiffige Innere wurde hingegen 1854 erheblich umgebaut.
Die Kapelle der Verurteilten
Die Kirche war Sitz der Bruderschaft der Weißen (Arciconfraternita dei Bianchi), die eine schreckliche Aufgabe hatte: die zum Tode Verurteilten zu betreuen. Ihr Wappen mit den Olivenzweigen hat der Kirche einen ihrer Beinamen verliehen. Genau hier, in einer kleinen Zelle mit einem heute zugemauerten Eingang, verbrachten die Gefangenen ihre letzte Nacht. Die Inschrift „PRO JUSTITIATIS 1758“ auf dem Architrav kennzeichnet noch immer den Zugang zu dieser Zelle.
Die Kirche ist geweiht, aber nicht regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie kann nur zu besonderen Anlässen oder bei Kulturveranstaltungen, die von der Stadt Gaeta organisiert werden, besichtigt werden.