Bagnoregio und Civita: das Dorf des Heiligen Bonaventura mit Blick auf das Calanchi-Tal
Bagnoregio liegt auf einer Tuffsteinterrasse in der Provinz Viterbo an der Grenze zu Umbrien. Die Siedlung ist etruskischen Ursprungs. Heute erinnert der Name vor allem an Civita, einen Ortsteil, der nur zu Fuß über eine 300 Meter lange Brücke erreicht werden kann. Doch auch das Hauptdorf hat eine eigene, sehenswerte Geschichte. Der Heilige Bonaventura, ein franziskanischer Theologe und Kirchenlehrer, wurde zwischen 1217 und 1221 in Civita geboren. Die Verbindung zu ihm ist allgegenwärtig – in der Ortsnamenkunde, bei den Feierlichkeiten im Juli sowie in dem ihm gewidmeten kleinen Museum. Die Altstadt öffnet sich zum Valle dei Calanchi, das zu den einzigartigsten geologischen Landschaften Latiums zählt. Je nach Lichteinfall wechseln die von der Erosion geformten Lehmgrate ihre Farbe: Sie sind grau im Morgengrauen und ockerfarben bei Sonnenuntergang. Von Bagnoregio aus kann man sie ohne die Menschenmassen von Civita betrachten. Es ist ein ebenso spektakulärer, aber ruhigerer Aussichtspunkt.
Orte der Verehrung und des Gedenkens
Vom Geburtshaus des Heiligen Bonaventura, das im 16. Jahrhundert teilweise in eine Kirche umgewandelt wurde, sind in Civita heute nur noch Ruinen am Rande der Klippe erhalten. Die Grotte des Heiligen Bonaventura, ein antikes etruskisches Grab am Belvedere di San Francesco Vecchio, ist der Ort, an dem Giovanni Fidanza laut Überlieferung wundersam geheilt wurde. Die Porta di Santa Maria, der einzige Zugang zu Civita, wurde 1558 erbaut. Die Reliefs an den Seiten erinnern an den Aufstand von 1457 gegen die Monaldeschi. In Bagnoregio wird in der Konkathedrale der Heiligen Nicola, Donato und Bonaventura die einzige Reliquie des Kirchenlehrers aufbewahrt: der „Santo Braccio“, also der „heilige Arm“. Außerhalb des Zentrums befindet sich die Piramide, ein Gedenkort für die im Jahr 1867 gefallenen Garibaldiner. Es ist ein kleines Denkmal, das fast von der Welt vergessen wurde.
Das Fest des Heiligen Bonaventura
Am 15. Juli steht das Dorf still, um seinen Schutzpatron zu feiern. Die Grotte wird zum Wallfahrtsort und die Straßen füllen sich mit Prozessionen. Diese Verbindung besteht seit acht Jahrhunderten und wird jedes Jahr aufs Neue belebt.