Die Ruinen des Hauses des Heiligen Bonaventura in Civita di Bagnoregio: Die Geschichte einer Treppe ins Leere
Im Herzen von Civita di Bagnoregio, an den zerbrechlichen Tuffsteinfelsen geklammert, befinden sich die Ruinen des Geburtshauses des Heiligen Bonaventura. Dabei handelt es sich nicht um ein imposantes Denkmal, sondern um die Überreste des Wohnhauses, in dem der spätere Heilige Bonaventura, eigentlich Giovanni Fidanza, geboren wurde. Seine Geschichte ist eng mit der des Dorfes verbunden und von jahrhundertelangen Erdrutschen geprägt, die lediglich einen Bruchteil des Hauses sowie eine in der Leere schwebende Treppe zurückgelassen haben.
Ein Theologe, der Giotto inspirierte
Hier wuchs der Mann auf, der später Generalminister der Franziskaner wurde. Sein berühmtestes Vermächtnis ist die Legenda Maior, die offizielle Biografie des Heiligen Franziskus, die Giotto als Vorlage diente. Gerade seine Worte leiteten den Maler bei seinem berühmten Freskenzyklus in der Oberkirche von Assisi. Eine tiefe Verbindung zur großen italienischen Kunst.
Was heute vom Haus übrig ist
Von dem 1524 teilweise in eine Kirche umgewandelten Geburtshaus ist nur noch sehr wenig erhalten. Ein heftiges Erdbeben im Jahr 1695 und fortschreitende Erosion haben nur eine Wand übrig gelassen, in der sich heute ein Bildnis mit einer Büste des Heiligen befindet. Darunter befindet sich eine kleine Höhle, die von einigen als Ort seines Studiums und seines Gebets betrachtet wird.
Die schwebende Treppe
Heute ist es die Eisentreppe, die alle Blicke auf sich zieht. Sie schwebt in der Leere, ist aus Sicherheitsgründen nicht begehbar, ihre Präsenz ist jedoch ein kraftvolles Symbol. Es erinnert uns an die Zerbrechlichkeit Civitas und zwingt uns, uns das Leben an diesem Ort vor Jahrhunderten vorzustellen, der schon damals wie von der Welt abgeschnitten schien.
Die Ruinen sind von außen sichtbar, es wird weder ein Eintrittspreis erhoben noch gibt es bestimmte Besuchszeiten. Sie befinden sich innerhalb von Civita di Bagnoregio. Für den Zugang zum Dorf wird eine Gebühr erhoben.