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Die Alten Buchenwalder

Die Alten Buchenwälder, Überreste der Urwälder, sind eine von der UNESCO als schützenswert anerkannte Stätte des Weltnaturerbes. Diese alten Wälder zählen mit ihrer Biodiversität zu den äußerst naturbelassenen Orten, in die der Mensch nicht eingegriffen hat und wo die Bäume ihren natürlichen Lebenskreislauf vollenden und dabei das höchstmögliche Alter und die größtmögliche Höhe erreichen.
Italien wurde in das mehrere Länder umfassende Netz mit 10 Teilgebieten aufgenommen, jeder Alte Buchenwald wurde dabei aufgrund seiner biologischen und ökologischen Einzigartigkeit ausgewählt. Teil des Weltnaturerbes sind nun die Foreste Casentinesi in der Emilia Romagna; die Buchenwälder des Nationalparks Abruzzen, Latium und Molise, in den Orten Villavallelonga, Lecce nei Marsi, Pescasseroli und Opi; der Buchenwald des Monte Cimino und des Monte Raschio im Latium; der Umbrische Wald im Nationalpark des Gargano in Apulien; sowie der Wald von Cozzo Ferriero in der Basilikata im Nationalpark des Pollino.

Die Auszeichnung des Welterbekomitees bei seiner Sitzung in Krakau Anfang Juli 2017 wurde auch an die Buchenwälder anderer Länder verliehen: Österreich, Deutschland, Albanien, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Rumänien, Ukraine, Slowakei, Slowenien und Spanien.

Der Sasso Fratino im Park der Foreste Casentinesi in der Emilia Romagna war das erste Strenge Naturreservat Italiens, es wurde 1959 gegründet, um einen der wenigen unversehrten Wälder des Landes zu bewahren, seine Unberührtheit hat er seiner Beschaffenheit mit schroffen felsigen Abhängen und den praktisch nicht vorhandenen Zugangswegen zu verdanken, was die Nutzung durch den Menschen im Laufe der Jahrhunderte verhindert hat. Sein Gebiet erstreckt sich über den Apenninenkamm in der Provinz Forlì-Cesena auf dem Gemeindegebiet von Bagno di Romagna und Santa Sofia: 784 Hektar umgeben vom Nationalpark der Foreste Casentinesi. In seinem Inneren hat man über 500 Jahre alte Buchen entdeckt, die den Sasso Fratino zu einem der ältesten Laubwälder auf der gesamten Nordhalbkugel machen. Das Betreten des Reservats ist verboten, jedoch ist es dank der weit verzweigten Wege des Parks möglich, die nahe Umgebung zu besichtigen.

Die von der UNESCO ausgezeichneten Buchenwälder des Nationalparks der Abruzzen sind jene des “Val Cervara“ in Villavallelonga,  “Moricento” in Lecce nei Marsi, “Coppo del Morto” und “Coppo del Principe” in Pescasseroli sowie “Cacciagrande” in Opi. Auf einer Fläche von über 1.000 Hektar erstrecken sich einige der bedeutendsten Buchenwälder Europas mit einer reichhaltigen Flora und Fauna, Bewohner sind u.a. der Zilpzalp, der Dalmatinische Specht, der Alpenbockkäfer, der Wolf und der Braunbär, seltene Blumenarten sowie Pilze und Moose, welche die umgefallenen Baumstämme bevölkern. Im Buchenwald des Val Cervara stehen auf einer Seehöhe zwischen 1600 m und 1850 m Exemplare, die bis zu 560 Jahre alt sind und somit nicht nur die ältesten Europas, sondern der ganzen Nordhalbkugel sind. Der ausgedehnteste Wald ist jener im Bereich der Naturreserve des Val Fondillo in der Gegend um Cacciagrande und Valle Jancino. Es ist der einzige Alte Wald im Nationalpark, in dem Wasser vorhanden ist, da er von verschiedenen Bächen durchquert wird. Ein magischer Ort: eindrucksvolle Bäume überragen die Täler, in denen es viele Höhlen gibt. In diesen feuchten Wäldern findet man Tierarten, die anderswo selten sind, wie den Feuersalamander.

Ebenfalls im Latium befindet sich weiter südlich im Parco Naturale Regionale di Bracciano-Martignano der alte Buchenwald des Monte Raschio in der Nähe von Oriolo Romano auf 542 m Seehöhe und liegt dabei ziemlich niedrig im Vergleich zu den anderen Buchenwäldern, aber die guten Bodenbedingungen -vorzugsweise Vulkanerde - haben seine Entstehung begünstigt.

In Apulien umschließt der Umbrische Wald auf einem Vorgebirge im Inneren des Nationalparks des Gargano gelegen die Stadtgebiete von Vico del Gargano, Vieste und Monte Sant’Angelo. Er erstreckt sich über eine Fläche von 10.500 Hektar auf einer Seehöhe, die von 832 m auf dem Monte Iaciotenente bis zu 165 m in der Gegend von Cartante variiert. Der Wald ist der Restbestand des alten „Nemus Garganicum“, der einst das gesamte Vorgebirge bedeckte, er zählt zu den ausgedehntesten Laubwäldern in Italien und ist einer der größten in Europa. Er besteht aus Buchen, Eichen, Zerreichen, Steineichen und Ahornbäumen. Unter ihnen sticht die Steineiche von Vico di Gargano hervor, sie ist 50 m hoch bei einem Umfang von 5 m, steht vor einem Franziskanerkloster und es scheint als wäre sie von Frà Nicola da Vico, verstorben im Jahr 1719, angepflanzt worden.

Der alte Buchenwald von Cozzo Ferriero in Rotonda (Provinz Potenza), im Herzen des Nationalparks des Pollino erstreckt sich über ca. 70 Hektar zwischen 1700 m und 1750 m Seehöhe, nahe der Grenze zwischen den Regionen Basilikata und Kalabrien. In dieser Gegend stehen riesige Buchenwälder, die bis zu ca. 500 Jahre alt und typisch für die späte Reifephase eines Waldes sind. Dieser Wald ist der Kern des südlichsten alten Buchenwaldes in Europa und ein wichtiger Gegenstand der Forschung zum Klimawandel.