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Anlagen des Venezianischen Verteidigungssystems

Die „Anlagen des Venezianischen Verteidigungssystems zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert vom Stato da Terra bis zum westlichen Stato da Mar“ sind die 53. italienische Stätte des UNESCO Welterbes, eine wichtige Auszeichnung, die den ersten Platz bestätigt, den Italien weltweit in der Rangliste der Länder mit den meisten Welterbestätten innehat.

Die venezianischen Befestigungsanlagen erstrecken sich über mehrere Länder und beinhalten die ausgedehntesten und innovativsten Verteidigungsnetze der Republik Venedig, Mauern von außergewöhnlich historischem, architektonischem und technologischem Wert.

Die Organisation und die Verteidigungssysteme des “Stato da Terra“ (zum Schutz der Republik vor anderen europäischen Mächten im Nordwesten) und des “Stato da Mar“ (zum Schutz der Meeresstraßen und der Adriahäfen in Richtung Levante) waren notwendig, um die Ausdehnung und die Handelswege der Republik Venedig zu schützen.

Von den sechs zum Welterbe erklärten Anlagen befinden sich drei innerhalb Italiens, in der Lombardei, in Venetien und in Friaul-Julisch Venetien.

Die Entdeckungsreise zu diesen Schätzen von unschätzbarem Wert für die Allgemeinheit beginnt in Bergamo, jener wunderschönen Kunststadt in der Lombardei, der der Status des UNESCO Welterbes aufgrund ihrer eindrucksvollen Verteidigungsmauern und Schutzwälle aus dem 16. Jahrhundert während ihrer Zugehörigkeit zur Republik Venedig zuerkannt wurde.

Bergamo war der westlichste Vorposten des gesamten Verteidigungssystems, eine Festung, die die Aufgabe des Schutzes des Stato da Terra hatte und dabei die ganze Macht der Republik zur Schau stellen sollte, um die großen europäischen Königreiche von ihren Expansionsvorhaben abzubringen.

Die mächtige Stadtmauer, welche die Stadt umgibt, hat einen Umfang von über 6 km,  erreicht an manchen Stellen eine Höhe von 50 Meter und hat 4 große Tore, durch die man in das historische Zentrum gelangen kann.

Eingebettet am Ufer des Gardasees, an der Riviera degli Ulivi gelegen, befindet sich Peschiera del Garda, eine bezaubernde Festungsstadt von Venetien in Form eines Pentagons. 

Die Mauern und imposanten Wälle scheinen, als ob sie direkt aus dem Wasser des Sees auftauchen und sich gegen eine perfekt erhaltene, lebendige und faszinierende Altstadt errichten würden
Aus typologischer Sicht ist Peschiera ein außergewöhnliches und seltenes Beispiel für eine befestigte Stadt, die meisterhaft in einem See-Fluss-Kontext liegt. 

Der majestätische Mauerring ist ein von Guidobaldo della Rovere entworfenes Militärbauwerk und  wurde ab 1549 vom Veronesen Michele Sanmicheli, einem italienischen Architekten und Stadtplaner des Manierismus, einer der bedeutendsten seiner Zeit, realisiert. 

Die "Befestigung der Moderne", der Begriff, welcher sich auf das neue Verteidigungssystem bezieht, das in Italien ab dem fünfzehnten Jahrhundert konzipiert wurde, um der Einführung von Schießpulver und der Entwicklung von Artillerie entgegenzuwirken, überschneidet sich mit dem fünfeckigen Verlauf der vorherbestehenden mittelalterlichen Struktur, zu der es die fünf Bastionen und die beiden Eingangstüren hinzufügt. 

Die Festung von Peschiera del Garda wurde auch mit Erddämmen und Rittern verstärkt, eine Struktur, die für die Verwendung der Artillerie-Reichweite dank ihrer Höhe geeignet ist

Das dritte Meisterwerk der venezianischen Militärarchitektur befindet sich in Friaul-Julisch Venetien: Es handelt sich um Palmanova, eine Festungsstadt in Form eines neuneckigen Sterns, die von der Serenissima erbaut wurde, um die Grenzen gegen osmanische und österreichische Bedrohungen zu verteidigen. Die besondere sechseckige Struktur und ihre perfekte Symmetrie machen Palmanova zu einer einzigartigen Stadt ihrer Art, eine echte Kriegsmaschine mit Bastionen und Wänden, die im Hinblick auf die Wurfweite der damaligen Kanonen entworfen wurden. Palmanova repräsentiert die „ideale Festungsstadt“, eine perfekte Synthese zwischen Renaissance-Utopien und der Militär- und Kriegstheorie der Zeit.

Die Festung enthält ein zentrales städtisches Zentrum von 70 Hektar, das in drei konzentrischen Mauern eingeschlossen ist - zwei venezianische Mauern und dem äußersten französischen Gebiet -, die Palmanova seine charakteristische neunzackige Sternform verleihen. 

Die venezianischen Verteidigungswerke bilden ein außergewöhnliches Zeugnis für die "moderne" Militärkultur, die sich im 16. und 17. Jahrhundert in den Gebieten der Republik Venedig entwickelte. 

Die Festungen von Bergamo, Peschiera del Garda und Palmanova sind raffinierte und faszinierende Ziele, die eine Erkundung des militärischen Genies, der Geschichte und der Architektur der Serenissima ermöglichen.