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Mit Türmen bewehrte Wachposten für Ländereien und Tratturi (Triften)

Nach der Auflösung der städtischen Systeme im Frühmittelalter werden die Residenzen und die Wirtschaft neu in die Umgebung der befestigten Orte verlegt, wo mächtige Feudalherren die wichtige Funktion übernehmen, die Tratturi des Gebiets von l’Aquila zu kontrollieren.

228 Bewertung | Mittel: 3 von 5

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  • Länge: 32.0 km
  • Etappen: 1
  • Empfohlene Dauer: 1 Giorno
  • Empfohlenes Fortbewegungsmittel: Auto/Motorrad

Autor: Walter Cavalieri

Warum wohl verließen Krieger aus halb Europa ihre “süßen Burgen” – wie Manzoni schreibt –, um sich in dieser kalten und unfreundlichen Gegend anzusiedeln? Eine sofortige Antwort darauf finden Sie, wenn Sie sich vorstellen, was Sie von den zinnengekrönten Mauern der zahlreichen Festungen sehen, die im Zeitalter des Feudalismus und in der Renaissance hier in den Abruzzen entstanden sind: eine Ausdehnung von Ackerland, Wäldern, Flussläufen und die regelmäßige Transhumanz von mehr als 30.000 Hirten, die mit ihren ca. 3 Millionen Schafen die Weideplätze wechseln.
Diese innerhalb von städtischen Strukturen oder in strategischer Position errichteten Burgen am Fuße des Gran Sasso d'Italia garantierten also Kontrolle und Schutz des Territoriums, vor allem aber überwachten sie das einträgliche Geschäft mit der Wolle.  Es ist also kein Zufall, dass all diese Bergorte zuerst den Piccolomini und dann den Medici gehörten. Sie wurden zu dem Zweck errichtet, den Tratturo des Gebiets von l’Aquila und die reichen Erträge der Transhumanz unter Kontrolle zu haben.

Ein faszinierender Tagesausflug durch die Bergdörfer beginnt in Santo Stefano di Sessanio, führt hinauf bis nach Rocca Calascio, dann wieder hinunter nach Castelvecchio Calvisio und endet in Capestrano.
Santo Stefano di Sessanio ist ein befestigtes städtisches System aus den ersten Jahren des 15.Jh.. Das beherrschende Element des mittelalterlichen Orts, der Mittelpunkt der Residenz, ist der imposante Rundturm der Medici (heute vom Erdbeben teilweise beschädigt), der sich zur Kontrolle und Verteidigung des Territoriums erhebt. Der Florentiner Adel übte in dieser Gegend einen bemerkenswerten künstlerischen Einfluss aus, wie man an den Häusern mit zweibogigen Fenstern und Renaissance-Loggien sehen kann. Interessant sind auch die Pfarrkirche und die Wallfahrtskirche Madonna delle Grazie in der Nähe eines Teichs.
Rocca Calascio ist nicht weit von hier, ein frühmittelalterlicher, heute unbewohnter Ort und die im Appennin, ja vielleicht sogar in Italien höchst gelegene Burg (auf 1.460 m), die auf eine zauberhafte Landschaft blickt. Der Rundturm erhebt sich bis zu einer Höhe von 1.520 Metern über dem Meeresspiegel und gestattet einen Ausblick auf die Südflanke des Gran Sasso d'Italia, auf die Berge Sirente und Velino und auf die Ebene von Navelli, wo der wertvollste Safran der Welt hergestellt wird. Wir wissen, dass eine Reihe von erprobten optischen Signalen (Feuer, Spiegel, u.ä.) sowohl tagsüber als auch nachts die Kommunikation mit den anderen über das Territorium verstreuten Wachtürmen bis hin zu den Burgen an der Adriaküste erlaubte. In der Nähe der Feste sollten Sie auch die  achteckige Renaissance-Kappelle Santa Maria della Pietà besichtigen.
Castelvecchio Calvisio ist ein uralter vestinisch-römischer Pagus, den in der Antike die Via Claudia Nova durchquerte und der die typische Anlage mit Cardus und Decumanus aufweist. Der Ort schaut auf das herrliche Tirino-Tal. Während des Mittelalters waren seine rechtwinkelig angelegten Straßen beinahe komplett mit zahlreichen Bögen und Gewölben überdacht. Interessant sind die Pfarrkirche und, nicht weit von dieser entfernt, die Kirche S.Cipriano, die an der Stelle der alten Burg von S. Lorenzo (8.Jh.) gebaut wurde. Das Erdbeben vom 6.April 2009 hat auch diesen Ort schwer getroffen.
Das Städtchen Capestrano zeichnet sich durch die gut erhaltene Burg aus, eines der wichtigsten Beispiele für Stadtbefestigungen in den Abruzzen. Sie war u.a. Besitz von Margarethe von Österreich. Bevor Sie zurückfahren, können Sie noch das Kloster und die Kirche von San Giovanni da Capestrano aus dem späten 15.Jh. besichtigen. Hier finden Sie Fresken, die ebenfalls aus dem 15.Jh. stammen.

  • Länge: 32.0 km

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km 8.6

Santo Stefano di Sessanio

42.344 N - 13.643 E

Santo Stefano die Sessanio ist eine Gemeinde mit ca. 120 Einwohnern, auf 1250 m ü.M. gelegen. Es gehört zur Berggemeinde Imperatore-Piana di Navelli und ist eines der schönsten befestigten Dörfer Italiens.

Der Name wird zurückgeführt auf Sextantio, eine kleine römische Ansiedlung in der Nähe der heutigen Ortes, das wahrscheinlich sechs Meilen von einem wichtigerem römischen Ort lag. Nach dem 14. Jh wird es ein Wehrdorf und geht in das Gebiet der Barone von Carapelle über, mit der Aufgabe der Überwachung. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. steht es unter dem Einfluss der Medici unter Francesco de' Medici, dem Großherzog der Toskana, was zu einer außerordentlichen Entwicklung von Santo Stefano führt.

Es liegt verschanzt auf einem Gipfel mit seinen antiken Häusern und den Renaissancepalästen, beherrscht von dem runden Torre Medicea mit Zinnenkranz, der durch das Erdbeben am 6. April 2009 beschädigt wurde.

Sehenswert: die Pfarrkirche Santo Stefano aus dem 16. Jh.; in der Nähe ein See und das Sanktuarium der Madonne delle Grazie.

In den Straßen des Dorfes mit antiken Häusern sind zweibogige Fenster und Loggien aus der Renaissancezeit zu bewundern, die den bemerkenswerten künstlerischen Einfluss der florentinischen Adeligen belegen. Seit 2004 nach einer sorgfältigen Restaurierung und Renovierung wurde das Dorf Niederlassung eines namhaften Hotels.

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km 0.2

Rocca Calascio

42.328 N - 13.691 E

Dies ist eine der ältesten Burgen Europas. Sie ist zweifellos eine der wichtigsten und beeindruckendsten Exemplare dieser Gebäudeart.

Sie wird auf die Zeit vom 11.- 12. Jh. datiert und war anfänglich ein Kontrollturm mit einem zentralen Eingang; die zylindrischen Außentürme sind später, zwischen dem 15. und dem 16. Jh., hinzugefügt worden. Die fachgerechte Restaurierung hat der Burg ihren ursprünglichen Glanz zurückgegeben.

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km 9.5

Santa Maria della Pietà

42.329 N - 13.689 E

Zwischen Ende des 16. und Anfang des 17. Jh. erbauten die Bewohner von Calascio und Santo Stefano di Sessanio diese Kirche als Dank für den legendären Sieg nach einer Auseinandersetzung über eine Räuberbande. Die geometrischen Linien im Stil der Renaissance lassen Raum für den achteckigen Grundriss, der von einer achtseitigen Kuppel überdeckt wird. Die würdevolle Kirche erhebt sich auf einem Felsvorsprung über der Ebene von Navelli und im Schutz des antiken verlassenen Dorfes Rocca Calascio.

Jedes Jahr im Mai findet Andachtsprozession zu Ehren der Tre Madonne Sorelle statt, zusammen mit der Madonna delle Grazie von Castel del Monte und der Madonna von Roio.

Die architektonischen Öffnungen bieten Asyl für ungewöhnliche Gäste: hier finden sich die Nester von Nebelkrähen.

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km 13.7

Castelvecchio Calvisio

42.311 N - 13.688 E

Castelvecchio Calvisio (Berggemeinde Campo Imperatore- Piana Navelli) ist eine Gemeinde mit knapp 200 Einwohnern, liegt auf 1071m ü.M.gelegen.

Der Ort besitzt noch die geschlossene mittelalterliche Struktur mit wehrhaften Mauern, an welche die Häuser angelehnt sind. Der Ortskern besteht aus einer Hauptstraße und vielen sehr engen Gassen. Man betritt den Ort durch ein antikes Tor neben dem Palazzo del Capitano. Sehr eindrucksvoll sind die Pfarrkirche San Giovanni Battista und die Kirche San Cipriano.

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Capestrano

42.269 N - 13.766 E

Nicht versäumen sollte man die mächtige, über den Hügeln liegende Burg von Capestrano. Sie liegt auf dem Weg, der vom Tal des Tirino zu der Piana di Navelli und L`Aquila ansteigt. Außergewöhnlich ist die Statue des berühmten Kriegers von Capestrano (6. Jh. v.Chr.), eine der schönsten Skulpturen aus Picene.

Der archäologische Ausgrabungsort, an dem sie gefunden wurde ist am Fuß des Ortes an der Straße ausgeschildert, aber um die Statue zu sehen, muss man sich in das Archäologische Nationalmuseum in Chieti begeben, wo sie ausgestellt ist.

Die eindrucksvolle Burg Piccolomini (sie gehörte später den Medici) ist eine großartige, kürzlich restaurierte Festungsanlage aus dem Jahr 1400. Am Ende einer Allee außerhalb des Zentrums kommt man zum monumentalen Komplex des Klosters San Giovanni da Capestrano.